• #Marokko: Frühlingshafter Jahreswechsel zwischen Bergen, Meer und Tajine

    Das Land im Nordwesten Afrikas ist der ideale Ort, um vor dem alljährlichen Silvesterwahnsinn in Deutschland zu flüchten. Bei 20°C und Sonne lässt es sich ganz wunderbar ins neue Jahr reinfeiern - ganz ohne Knallerei und den Berliner Irrsinn des Jahreswechsels
Bei ungemütlichen 2°C und rauem Wind verlassen wir Berlin gen Nordafrika. Nach wenig mehr als 4 Stunden Flug landen wir im vom Smog ganz dunstigen Marrakesch bei über 20°C. Doch unser Weg führt uns nicht direkt in das Getümmel der Berberstadt; wir fahren erst einmal für zwei Nächte nach Tamatert, ein kleines Nachbardorf von Imlil, direkt am Fuße des Hohen Atlas. Mit dem Auto geht es vorbei an staubigen Olivenhainen und Arganöl-Kooperativen ins Gebirge, entlang mäandernder Flüsse und einspurigen Serpentinen, bis uns ein freundlicher Polizist die Einfahrt nach Imlil gewährt, dem Ort, in dem die Straße ihr Ende findet. Als wir ankommen und mit unseren Rücksäcken den Weg durch das Dorf zu unserer Unterkunft suchen, geht die Sonne hinter den schneebedeckten 3000ern gerade unter und gibt den Blick frei auf einen spektakulären Sternenhimmel. Bei süßem Minztee (wichtig: dieser muss aus mindestens 50cm Entfernung kunstvoll in die kleinen Gläser eingegossen werden!) zur Begrüßung bestaunen wir die uns umgebenden Bergpanoramen von unserer grandiosen Dachterrasse, um 15 Minuten später unsere erste Tajine der Reise serviert zu bekommen - ganz köstlich!









Den nächsten Tag beginnen wir bei Kaffee, Tee und Frühstück im Wintergarten, mit Blick auf die vom Sonnenaufgang orange gefärbten Bergrücken. Danach erkunden wir die Umgebung von Imlil auf einer kleinen Wanderung: von Tamatert geht es einen kleinen Berg hinauf, der einen fantastischen Blick auf den Hohen Atlas und in der Ferne auf den Toubkal, den höchsten Berg Marokkos eröffnet, bevor wir das Dorf Aroumd erreichen. Hier schlendern wir durch das Gassenlabyrinth bis hinunter zur neugebauten Moschee, die, umgeben von einem riesigen Apfelbaumhain, wohl einen der fantastischsten Ausblicke in der ganzen Gegend zu bieten hat. Von Aroumd nehmen wir einen kleinen Wanderweg durch einen Wald mit unzähligen uralt-verknöcherten Bäumen zurück nach Imlil, wo wir den Tag bei einem kleinen Essen auf einer der vielen Dachterrassen des Ortes ausklingen lassen.










Am Mittag des nächsten Tages verlassen wir den Atlas auch schon wieder. Nach einer 90-minütigen Fahrt steigen wir mitten in der Medina Marrakeschs, der Altstadt, aus unserem klimatisierten Auto in die von Staub und Abgasen getränkte Luft der Berbermetropole. Die Medina besteht aus einen kaum zu überschauenden Geflecht aus Straßen, Gassen und Plätzen, die von Autos, Menschen und vor allem Motorrollern zur gleichen Zeit genutzt werden. Unser erstes Ziel ist jedoch erst einmal unsere Unterkunft für die nächsten 5 Tage: ein traditionelles Riad mitten in der Medina.






Riads sehen von außen sehr unscheinbar aus, in der Regel sieht man nur eine rotbraune Wand, in der eine Tür eingelassen ist. Hinter der Tür verbirgt sich dann aber eine ganz andere Welt: abgeschottet von der Hektik der Medina gruppieren sich um den mit einem kleinen Pool ausgestatteten Innenhof die Schlaf- und Wohnräume, und ganz oben haben wir von unserer Dachterrasse nicht nur einen grandiosen Blick über Marrakesch, sondern können dort auch bei 22°C und Sonne ein wenig unsere winterliche Blässe bräunen.
  • Unser erster Ausflug in die Medina

    führt uns gleich zum Djemaa el Fna. Ein riesiger Platz im Zentrum vom Marrakesch, der nicht nur das touristische Zentrum der Stadt ist, sondern auch der zentrale Dreh- und Angelpunkt allen Lebens in der Stadt.
Neben verschiedenen Fast Food Ständen und unzähligen Getränkeverkäufern, wird der Platz von Schlangenbeschwörern, fliegenden Händlern und Geschichtenerzählern bevölkert. Dieser Ort scheint nie still zu stehen und versprüht zu jeder Tages- und Nachtzeit seinen ganz eigenen Charme. Von den den Platz umgebenden Cafés kann man dem Treiben bei einem Kaffee stundenlang zuschauen. Nördlich dieses Weltkulturerbes schließen sich die Souks an - ein riesiges Geflecht aus Gassen und Läden, das wohl eines der größten Kaufhäuser der Welt darstellt: neben touristischem Krempel findet man in den Souks alles, was man zum Leben braucht - von Kleidung, Baumaterialien, bis zu Geschirr und Nahrungsmitteln. Schon alleine um jeden Winkel der Souks zu entdecken, bräuchte man vermutlich eine knappe Woche. Wir haben aber in Marrakesch noch mehr vor, als nur die besten Schälchen und Schüsselchen zu shoppen.

















Nach unserer ersten Nacht in Marrakesch geht’s ins Yves Saint Laurent Museum, ein wenig außerhalb der Altstadt. Zu Ehren eines seiner wohl berühmtesten Bewohner hat man direkt neben dem wunderschönen Jardin Majorelle ein nicht weniger hübsches Museum gebaut, in dem neben einigen Kreationen Saint Laurents auch kleine, wechselnde Ausstellungen von Künstlern der Region zu finden sind. Und direkt im Anschluss sorgt der Jardin Majorelle für ein wenig Entspannung vom Trubel der Stadt - auch wenn die Touristen auf der Suche nach dem besten Selfie-Spot auch im Garten ganz schön nerven können.
















Den Silvesterabend verbringen wir auf der Dachterasse unseres Riads, nachdem uns unsere Gastgeberin eine wunderbare Tajine gekocht hatte. Und um 0:00 Uhr passiert tatsächlich nichts, außer dem Jubel einiger anderer Touristen auf den benachbarten Dächern bleibt die Stadt angenehmerweise sehr ruhig. Während also in Berlin gerade die Hölle los ist, trinken wir unseren marokkanischen Wein und das marokkanische Bier und genießen die Ruhe über den Dächern der Stadt.
An einem der nächsten Tage entfliehen wir noch einmal dem bunten Treiben Marrakeschs, setzen uns für zwei Stunden ins Auto und fahren gen Westen an die Atlantik-Küste nach Essaouira. Die kleine Stadt am Meer bildet einen sehr angenehmen Kontrast zur Berbermetropole Marrakeschs. Hier dominiert kein Ocker, Braun und Rot, die Häuser in der Altstadt von Essaouira sind alle weiß getüncht, und die Türen sind in bunten Farben gestrichen, ganz so wie man das aus Portugal kennt, unter dessen Einfluss die Stadt auch lange stand.
Wir streifen durch die Straßen und Gassen, beschauen uns exotische Fische auf dem Fischmarkt am Hafen und genießen die sommerliche Wärme am breiten Sandstrand der Stadt, bevor es am späten Nachmittag wieder zurück nach Marrakesch geht - vorbei an Olivenhainen, Steinwüsten und ausgetrockneten Flussbetten.










Unseren letzten Tag in Marrakesch wandeln wir noch einmal durch die Souks, über den Djemaa el Fna bis zum Bahia Palast, der ein Meisterwerk des marokkanischen Kunsthandwerks ist, weiter ins Viertel Kasbah, in ein Café hoch oben über der Stadt, mit einem fantastischen Blick über Marrakesch mit seinen unzähligen Minaretten, Türmchen und Satellitenschüsseln, der eigentlich nur vom Blick vom Fotografiemuseum getoppt werden kann: hier breitet sich die Stadt bis zu den weißen Gipfeln des Atlas-Gebirges am Horizont aus - wahrlich atemberaubend. Und wenn dann auch noch Schwärme von Störchen, ihre Flügel langsam schwingend über die Stadt hinwegziehen, ist der Kitsch absolut perfekt. Mit diesen Eindrücken verlassen wir Marrakesch und fliegen zurück ins winterkalte Berlin des Jahres 2020.