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    #08 - Alaska: Into the Wild

    Groß, riesig und in jedem Detail gewaltig – in Alaska ist alles zwei Nummern größer als im Rest der Welt: die lastwagenartigen Pickups alaskanischer Großfamilien, die Berge, Gletscher und Seen der Nationalparks und die Oberarme alaskanischer Straßenbauarbeiterinnen.
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    #08 - Alaska: Into the Wild

    Groß, riesig und gewaltig – in Alaska ist alles zwei Nummern größer als im Rest der Welt: die lastwagenartigen Pickups alaskanischer Großfamilien, die Berge, Gletscher und Seen der Nationalparks und die Oberarme alaskanischer Straßenbauarbeiterinnen.
Kurz vor 0 Uhr landet unserer Flieger in Anchorage, der größten Stadt Alaskas, in abendlicher Dämmerung. Der Taxifahrer klärt uns kurz später auf, dass es spätestens gegen 2:30 Uhr langsam wieder richtig hell wird – zwar haben wir Mittsommer um einen Monat verpasst, dennoch sind die Tage hier im Norden noch immer sehr lang.


Wir beziehen für die erste, wohl hellste Nacht, die wir beide je erlebt haben, Quartier in einer Jugendherberge, bevor wir uns am nächsten Morgen auf den Weg aus der Stadt heraus in die Natur machen.
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    Am nächsten Tag erleben wir einen Kulturschock

    Noch ein wenig benommen von der langen Reise machen wir Bekanntschaft mit Ron, unserem Autoverleiher und einem „Buddy-American“, wie er im Buche steht. Der gute Ron erklärt uns die Funktionsweise unseres faltbaren Dachzeltes und ist so freundlich uns noch einige Routentipps mit auf den Weg zu geben – aber dann geht es los.
Wir verlassen Anchorage nach Norden und verbringen die erste Nacht am Eklutna Lake. Schon der vergleichsweise kurze Weg dorthin zeigt, dass in Alaska alles ein wenig gröber und größer ist. Die Autos gleichen in der Regel kleinen Trucks, die Wohnwagen sind ausgewachsene Reisebusse und heißen daher auch Motorhomes bzw. RVs, was für Recreational Vehicle steht. Abends werden an diesen Gefährten die Erker ausgefahren, die Generatoren angeworfen und die Satelliten-Antennen ausgefahren, damit Vati und Mutti auch ja nicht das aktuelle Baseball-Match verpassen.
Alaska ist zwar mit Abstand der größte Bundestaat der Vereinigten Staaten, sein Netz an Straßen dürfte aber das kleinste und übersichtlichste sein, so dass man sich die Mühe gemacht hat, die Highways nicht zu nummerieren, sondern ihnen einprägsame Namen zu verpassen. Den ersten Abschnitt unserer Reise verbringen wir auf dem Park Highway, der von Anchorage nach Fairbanks führt, dem zweiten und einzigen weiteren Ort, den man tatsächlich auch Stadt nennen kann. Uns führt dieser Highway vorbei an majestätischen Bergmassiven, dunkelgrünen Wäldern und kargen Hochebenen zum Denali National Park.

Auf den Spuren wilder Bären

 
Dieser Nationalpark ist größer als Sardinien und mit dem eigenen Fahrzeug nicht zu erkunden. Es bleiben also nur drei Varianten: per pedes, mit dem Rad oder mit einem Shuttle-Bus. Wir entscheiden uns für die letzte Variante und fahren morgens um 6 Uhr mit diesem alten, ausgemusterten amerikanischen Schulbus in den Park.
Der Busfahrer animiert uns, Bescheid zu geben, wenn wir Tiere sehen. Und tatsächlich werden wir an diesem Tag alles an Großwild beobachten, was der Park zu bieten hat.
Karibus traben vor uns auf der Straße, gewaltige Elche grasen im lichten Geäst, Dallschafe klettern über die Felsen und Grizzly Bären baden im Bach.
Neben seinen vielen Wildtieren ist der Park aber vor allen Dingen für seine atemberaubende Natur bekannt, die so gewaltig ist, dass sie einem ein ums andere Mal den Atem verschlägt, der höchste Berg der USA, der Mt. McKinley Denali (6193m) ist hier das beste Beispiel (Anm. d. Red.: Am 31. August hat Barack Obama vor seiner Alaskareise bekannt gegeben, dem Berg seinen alten Namen Denali zurückzugeben, der traditionell von den Athabasken, den Alaskanischen native Americans, genutzt wurde.)
Vom Denali Park geht es vorbei an Sarah Palins Wasilla (von hieraus haben wir direkt nach Russland hinüber gesehen), weiter auf dem Glenn Highway zum Matanuska Gletscher, einem der unzähligen Gletscher in Alaska, die auf Grund des Klimawandels bald nur noch ein Häuflein Elend sein werden. Noch aber ist der Matanuska direkt zu erklettern.
 
Auf unserem Weg nach Valdez (gesprochen: Valdiehz) werden wir auf dem Richardson Highway noch den Worthington Gletscher besuchen, bevor wir auf unserem Zeltplatz plötzlich vor einem Weißkopfadler stehen, bekanntlich das amerikanische Wappentier – dieser Vogel ist nicht nur heraldisch bedeutend, sondern zugleich mit seinen schieren Ausmaßen ein echter Hingucker.




In Valdez endet dann nicht nur der Richardson Highway sondern auch die Trans-Alaska-Pipeline. Diese transportiert das im Arktischen Ozean geförderte Erdöl, das in Valdez auf riesige Tanker verladen wird. In den 80er Jahren kam es dann, wie es kommen musste: ein Tanker lief auf Grund und verlor unvorstellbare Mengen an Öl. Das Unglück der Exxon Valdez ist nicht nur ein Erweckungsmoment der globalen Umweltbewegung, es ist zudem noch immer Teil der Natur in Valdez – wer am Strand ein wenig gräbt, stößt relativ schnell auf Ölbrocken der Katastrophe, obgleich sich das fragile arktische Ökosystem gut erholt hat. Wir lassen Pipeline und Verladehafen hinter uns und besteigen ein Schiff des Alaska Marine Highway, einem ausgeklügelten staatlichen System von Fähren, welches noch so kleine Ortschaften, die nicht ans Straßennetz angebunden sind, bedient.

Mit der Fähre durch die Wildnis

 
Kurz nach dem Ablegen beginnt sich der Nebel zu lichten und wir fahren bei Sonnenschein durch den Prince William Sound gen Whittier. Die Fahrt ist mit einer normalen Fährfahrt nur bedingt zu vergleichen, sie fühlt sich eher an wie eine kurze Kreuzfahrt, auf der man sogar Wale, Robben und Gletscher vorbeiziehen sieht.
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    The weather is always shittier in Whittier,

    so ein alaskanisches Sprichwort - das bei unserer Ankunft allerdings ausnahmsweise einmal nicht zutrifft. Die Schönheit des 220-Seelen Städtchens liegt so tief im Prince William Sound verborgen, dass wir sie nicht entdecken konnten. Während des Krieges aus dem Boden gestampft, an einem Ort, der die meiste Zeit des Jahres unter einer dicken Wolkendecke liegt, besteht sie eigentlich nur aus Hafen.
Für uns geht es gleich weiter nach Seward. Dort parken wir unser Auto direkt am Fjörd, genau zwischen riesigen RVs und werden tatsächlich von einem mittleren Erdbeben durchgeschüttelt – das ist dann auch das Abendgespräch der lokalen RV-Gemeinde.
In Seward kann man überteuerte Bootstouren unternehmen oder aber dem fantastischen Alaska SeaLife Centre einen Besuch abstatten. Von Seward geht’s zur Westküste der Kenai-Halbinsel. Dort, in Ninilchik, ist das russische Erbe Alaskas noch deutlich sichtbar, nicht nur in den Namen der Bewohner, sondern auch in der schönen russisch-orthodoxen Kirche auf dem Hügel über dem Ort.
Vielen ist ja sicherlich bekannt, dass die USA Alaska im Jahre 1867 für den Spottpreis von 7,2 Mio. Dollar von Russland abgekauft haben. Heute bewertet man diese Entscheidung in Moskau vermutlich anders. Bevor es dann zum Salmonfest geht, machen wir noch einen Abstecher nach Homer, ganz im Südwesten. Dort hat man auf einer schmalen Landzunge, dem Homer Spit, ein riesiges Tourizentrum etabliert – unter anderem kann man dort Touren nach Kodiak buchen, für nur 600 $ / Person!
Wir haben unser Geld lieber für einen Festivaltag auf dem Salmonfest ausgegeben. Vormals Salmonstock, steht das Salmonfest unter dem Motto: „Join us for three days of fish, love, and music in Ninilchik, Alaska“ – leider war das Angebot an Lachs dann doch eher überschaubar. Dennoch: der Tag auf dem Festival ließ tief in die Seele der Alaskaner blicken. So haben wir nicht nur die lokale Musikszene entdecken können, sondern konnten auch viele interessante Menschen beobachten. Besonders überrascht waren wir dann doch von der Dichte an Batik-Moden auf dem Festival. Man mag es kaum glauben, aber es befand sich doch tatsächlich ein riesiger Batik-Stand auf dem Festival-Gelände, an dem es unter anderem schicke, sogenannte Onesies (früher hätte man das Strampler genannt und Babys angezogen, heute ist das auch bei Erwachsenen angesagt) käuflich zu erwerben gab. Nun dachten wir, dass die Batik-Mode (nicht die des indonesischen Stils) eigentlich in die 90er Jahre gehört – so ist es uns bis jetzt noch schleierhaft, ob diese Erscheinung der westlichen Jugendkultur erst jetzt, nach 20 Jahren, in Alaska angekommen ist oder aber, ob der Batik-Trend dort gerade wieder beginnt und in zwei Jahren auch in den Straßen Nordneuköllns zu bewundern sein wird. Es bleibt abzuwarten.

Auf der Jagd nach der Bore Tide

 
Wir verabschieden uns vom Salmonfest und fahren ins kleine Hope, direkt am südlichen Ufer des Turnagain Arms. Wir lauschen feiner Jazz-Musik im Seaview Café und schauen am Abend den Robben beim Fischen zu. Bevor es zurück nach Anchorage geht, fahren wir in Girdwood noch einmal ganz hoch hinaus. Mit der Seilbahn geht’s weit über die Baumgrenze ins alpine Terrain, von wo wir einen wunderbaren Blick über Berge, Gletscher und den Turnagain Arm haben. Dort erleben wir dann tatsächlich auch noch die Bore Tide – eine Welle, die bei einsetzender Flut den Turnagain Arm hochrollt und die ausgefuchste Surfer kilometerlang reiten können.
Von Anchorage fliegen wir nach Seattle, ganz in den Nordwesten der „lower 48“, wie die Alaskaner die Rest-USA bezeichnen.
 

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