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    #04 - Bhutan: Wo Tiger und Donner-drache sich gute Nacht sagen

    Das kleine Königreich Bhutan, eingeklemmt zwischen China im Norden und Indien im Süden, liegt abgeschottet im Himalaya und ist nur über einige wenige Straßen und einen einzigen internationalen Flughafen mit der Außenwelt verbunden. Eine Reise nach Bhutan ist daher immer auch eine Reise in die kulturelle Vergangenheit des Himalayas.
Durch seine Lage und strikte Visapolitik konnte die Kultur und Lebensweise der Bhutaner bis heute auf wundervolle Weise vor äußeren Einflüssen bewahrt werden - das bringt natürlich auch ein paar Schwierigkeiten mit sich. Entscheidet man sich für die Einreise mit dem Flugzeug beginnen schon die ersten Probleme: das Land wird von genau zwei Fluglinien angesteuert, wobei die erste private Fluglinie „Bhutan Airlines“ erst seit 2 Jahren im Geschäft ist. Druk Air, der staatliche Anbieter, bedient den internationalen Flughafen in Paro von nur wenigen Städten Asiens.

Eine Landung mitten im Himalaya

 
Auf Grund enger kultureller und politischer Beziehungen befinden sich die meisten Ziele in Indien - wir entscheiden uns allerdings für Dhaka in Bangladesch. Von dort fliegt uns ein niegelnagelneuer – und nur zu einem Viertel gefüllter – Airbus nach Paro. Und da Bhutan komplett aus Hügeln und Bergen besteht, ist schon der Anflug ein Erlebnis: das Flugzeug segelt im Sichtflug durch die engen Täler Bhutans bis man hinter einer Kurve um einen Berg herum landet. Angeblich darf der Flughafen derzeit nur von 8 Piloten überhaupt angeflogen werden.
Bereits aus der Luft fällt der einheitliche Baustil der Häuser Bhutans auf. Und in eben diesem Stil ist auch der Flughafen-Terminal erbaut – kein Glaspalast, sondern ein fast schon kleinstädtisch, dörflich wirkendes und mit vielen Verzierungen versehenes Gebäude. An dessen Ausgang erwarten uns schon unsere Guides – ein Fahrer und ein Tourguide – allein können das Land nur die Bewohner der wenigen Ländern bereisen, die nicht der strikten Visapolitik unterliegen – wir werden in dieser Kategorie vor allem Inder auf unserer Reise begegnen.
  • Zwischenbild Bhutan

    Vom Flugplatz windet sich unser Auto Richtung Thimphu

    Die königliche Hauptstadt ist mit ca. 120.000 Einwohnern mit Abstand die größte Siedlung Bhutans. Erst langsam fällt uns auf, dass es keine Werbung und genauso wenig Ampeln und Supermärkte gibt – auf der Haupteinkaufstraße reihen sich kleine Geschäfte mit Waren des täglichen Bedarfs und Souveniershops aneinander.
Geldautomaten gibt es nur in zwei oder drei Städten und das auch erst seit wenigen Jahren. Selbst in der größten Stadt tragen die Bhutaner ihre traditionelle Tracht: die Männer hüllen sich in den Gho, die Frauen bevorzugen den Kira. Von einer westlich dominierten, modernen Großstadt kann eher nicht die Rede sein. Überragt wird die Hauptstadt vom Tashichho Dzong, das im 17. Jahrhundert als Festung zum Schutz vor Angriffen aus Tibet gebaut wurde und heute seine ursprüngliche Funktion gegen Büros der Distriktverwaltung und ein Kloster eingebüßt hat. Die schieren Ausmaße und feine Ausgestaltung im Innern sind beeindruckend. Gegenüber vom Dzong liegt das Parlament, das erst seit der Einführung der parlamentarischen Demokratie im Jahr 2008 seine Funktion als Legislative gänzlich erfüllen kann. Der bescheidene Palast des fünften Königs von Bhutan liegt ebenso in Sichtweite, darf jedoch nicht abgelichtet werden. Die Monarchie genießt in Bhutan einen hohen Stellenwert und das junge Königspaar erfreut sich größter Beliebtheit.
In Bhutan gibt es übrigens neben der Nationalblume und dem Nationalbaum auch das Nationaltier: Den Takin. Der sieht aus wie eine schöpferische Resteverwertung: Ein bisschen Esel, ein bisschen Elch und ein bisschen Ziege. Mit riesigen Füßen wie ein Nashorn und einem wackelnden Gang als müsse man Angst haben, er würde jeden Moment umkippen. Die Niedlichkeit aber hat er direkt von einem grasenden Wombatbaby abbekommen. Ein passenderes Tier hätten sich die Bewohner des abgeschiedenen Königreichs gar nicht aussuchen können.

Punakha – alte königliche Residenz

 
Bis in die 50er Jahre war Punakha die Hauptstadt Bhutans, doch waren den Mächtigen die sommerlichen Temperaturen in diesem subtropischen Tal in Zentralbhutan unerträglich, so dass man sich dafür entschied, die Hauptstadt nach Thimphu zu verlegen. Allein die Krönung des Königs findet noch im Dzong von Phunaka statt.
Auf der Karte sieht die Distanz zwischen Thimphu und Punakha nicht sehr weit aus, allerdings hat man rasch Verständnis für die mit 3h angegebene Fahrzeit für die 60km: die Straße – oder vielmehr Buckelpiste – windet sich von Thimphu (2300m) auf den Dochula Pass (3050m). Von dort hat man an klaren Tagen die Chance den Himalaya zu sehen. Uns bleibt dieser Anblick leider verwehrt. Bei kühlen 15 Grad und Nebel geht es nach einer kurzen Pause in unzähligen Haarnadelkurven in das subtropische und von Reisterrassen durchsetzte Tal von Punakha.
Auf den umliegenden Hügeln flattern abertausende Gebetsfahnen im Wind – sie tragen die Gebete und Wünsche der Buddhisten auf dem Luftweg direkt in den Himmel hinauf. Der Wind zerfurcht die dünnen Fasern der handbedruckten Fähnchen, was in jedem Fall ein gutes Zeichen ist: Umso weniger von den Gebeten noch vorhanden ist, umso mehr wurde schon hinauf geweht.
Neben dem Tourismus ist vor allem die Stromerzeugung durch Wasserkraft die Haupteinnahmequelle in Bhutan. Die Kraft des Wassers machen sich die gewieften Bhutaner und Bhutanerinnen gleich noch auf eine andere Weise zu nutzen. Das Muster der Reisterrassen wird immer wieder durch kleine Pagoden unterbrochen, die im Innern eine durch Wasser angetriebene Gebetsmühle offenbaren, die tagein und tagaus ihre Mantras in die Welt hinaus schickt. Wie praktisch! Eine völlig nachhaltige Gebets- und Wunschmaschine.
Der ehemalige Regierungssitz in Punakha wird heute ebenso von der Distriktverwaltung und einem Kloster genutzt, ist in seiner Ausgestaltung, seinen Ausmaßen und seiner Lage am Zusammenfluss zweier Flussläufe jedoch bedeutend schöner als das Tashichho Dzong in Thimphu.

Im Nest des Tigers

 
Nach zwei Nächten in Punakha machen wir uns auf zu unserer letzten Bhutan-Etappe. Nach einer erneuten Überquerung des Dochula-Passes kommen wir am Mittag in Paro an, wo am nächsten Tag das Highlight unserer kurzen Reise ansteht.

Am Morgen beginnen wir unsere Wanderung zum Taktsang Lhakhang. Dieses aus 8 kleinen Tempeln bestehende Kloster krallt sich auf einer Höhe von 3200m an einen Felsen über dem Tal von Paro. Zuerst müssen wir allerdings einen Höhenunterschied von rund 1000m überwinden. Bei einigen anderen Touristen kann man deutlich erkennen, was die künftige Oberschicht eines Landes auszeichnet: Geld, ausreichend Nahrung – und damit verbunden auch mittlere bis schwere Adipositas. Um der Schwerkraft ein bisschen entgegen zu wirken, können die besonders gebeutelten Besucher sich auf einem schnaufenden und bemitleidenswerten Pferd die Hälfte des Berges hinaufhieven lassen. Wir fühlen mit den Pferden und ziehen den steilen Aufstieg vor.

Oben angekommen, haben wir dann eine atemberaubende Aussicht auf das Tiger’s Nest. Der Legende nach ist Guru Rinpoché auf dem Rücken eines fliegenden Löwen aus Tibet geflohen und hat nach seiner Ankunft in Bhutan in den Höhlen des Tiger’s Nest 3 Jahre, 3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage und 3 Stunden meditiert.
Am nächsten Tag geht es schon weiter – mit einer kleinen Propellermaschine (diesmal sitzen genau 6 Fluggäste im Flieger) fliegen wir am Mt. Everest vobei nach Kathmandu, Nepal - dann weiter nach Kuala Lumpur, Malaysia.

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