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    #Azoren: Grünes Vulkan-Paradies im Atlantischen Ozean

    Ganz im Südwesten des Kontinents, über zwei Flugstunden vom Festland entfernt liegen sie auf einer Länge von über über 600 km im Atlantik verstreut: die Azoren - die höchsten Gipfel des mittatlantischen Rückens, einem riesigem Gebirgszug unterhalb der Wasseroberfläche, der sich quer durch den Atlantik zieht.
Die meisten kennen die Azoren vermutlich nur aus dem Mund des Meteorologen ihres Vertrauens, spricht der doch nicht selten von Ausläufern eines Azorenhochs, die das Wetter in den mitteleuropäischen Breiten maßgeblich bestimmen. Von diesem Hoch spüren wir jedoch auf den Azoren relativ wenig. Das Wetter ist an den 12 Tage unseres Aufenthalts auf den Inseln eher maritim wechselhaft: Sturm, Regen, Nebel, Wolken und Sonne wechseln sich dabei in wilder Reihenfolge und mitunter in einem atemberaubenden Tempo ab. Nach einem Zwischenenstopp in Lissabon fliegen wir nach Ponta Delgada, der größten Stadt des Archipels auf der größten Insel, São Miguel.




Dort sehen wir erst einmal nicht ganz so viel: tiefe Wolken und zäher Nebel versperren uns den Blick auf die grünen Hügel der Insel. Wir besteigen unseren Clio und fahren auf die Nordseite der Insel, an der sich unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte befindet. Nach einer kurzen Pause geht's nach Ribeira Grande, der größten Stadt der Nordküste. Eine richtige Schönheit ist diese Stadt - wie so viele andere auf dem Archipel auch - nicht. Zwar versprüht der Baustil der Kirchen und Häuser und die engen Gassen schon einen gewissen Charme, aber oft beschränkt sich dies nur auf die Markt- oder Kirchplätze der Ortschaften. Außerdem fängt es in Ribeira Grande wieder an zu regnen und auch die Cafés des Ortes laden ob ihrer Einrichtung und Neonbeleuchtung nicht zum Verweilen ein. Häufig stehen vor den Cafés und Restaurants dazu noch Gruppen von grimmig dreinblickenden Menschen, sehr häufig Männer, die auch nur bedingt dafür sorgen, dass wir Lust verspüren, ein koffeinhaltigen Heißgetränk in diesen Etablissements zu genießen. Nun ja, also dann weiter gen Westen nach Capelas, wo wir kurz vor dem Sonnenuntergang noch einen schönen Miradouro über der Steilküste des Ortes finden - das Wetter hat sich zu diesem Zeitpunkt sogar wieder ein wenig beruhigt.










Am nächsten Morgen erwachen wir bei Regen und tiefhängenden Wolken. Genau das richtige Wetter, um nach Furnas zu fahren. Dieser Ort im Inselinnern ist berühmt für seine Gärten und heißen Quellen. Der amerikanischen Konsul hatte einen Vorläufer des Terra-Nostra-Parks bereits im 18. Jahrhundert angelegt. Heute ist der Park mit seinen verschiedenen Gewächsen und Gehölzen so groß, dass man problemlos zwei Stunden braucht, um alle angelegten Gärten zu sehen. Zum Abschluss unseres Rundgangs springen wir noch in den 39°C warmen, vom Eisen ganz rotbraun gefärbten Pool - so lässt sich dann auch der Nieselregen ertragen. Auf der Rückfahrt klart der Himmel an der Nordküste doch tatsächlich ein wenig auf. Bei der Teeplantage von Chá Gorreana halten wir an und lassen erstmalig unsere Drohne über die grünen Hügel fliegen. Angeblich soll hier die einzig kommerziell betrieben Teeplantage Europas betrieben werden, aber das behaupten offensichtlich noch andere Orte in Europa - egal, schön sehen die Teeplantagen von oben in jedem Fall aus. Und am Abend finden wir doch dann tatsächlich in Capelas noch ein hübsches, kleines Restaurant, das nicht nur gute Fischgerichte serviert sondern tatsächlich auch so etwas wie Charme und Gemütlichkeit versprüht.
Auf den Azoren wird aber nicht nur Tee angebaut, auch Bananen, Maracuja und nicht zuletzt sind Ananasplantagen ein ganz großes Ding hier. Als es am nächsten Morgen wieder regnet, fällt also die Entscheidung gar nicht schwer, so einer Plantage mal einen Besuch abzustatten. In der Nähe von Ponta Delgada bieten einige Plantagen kostenlose Führungen an. Wir erhalten einen informativen Einblick in die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Ananas und die Probleme der Aufzucht der Frucht auf den Azoren. Natürlich kaufen wir am Ende der Führung noch eine azoreanische Ananas, die hier doch einen einmaligen Geschmack hat. Nach einem Kaffeestopp in einem der wenigen charmanten Cafés in Ponta Delgada klart das Wetter auf.
  • Baden in der Kraterinsel

    Vor der Küste von Vila Franca do Campo ragt nur der Krater eines ehemaligen Unterwasservulkans aus dem Wasser. Dieser Naturpool wird im Sommer zum Bade- und Schnorchel-Hotspot.
Gutes Wetter muss man auf den Azoren nutzen, daher machen wir uns auf gen Sete Cidades. Dieser riesige, den ganzen Westen der Insel ausfüllende Krater ist mit seinen Seen das touristische Highlight der Insel São Miguel. Die Aussichten, die sich von den unzähligen Aussichtspunkten auf dem Kraterrand ergeben, sind tatsächlich spektakulär. Am Miradouro da Vista do Rei gibt es neben dem Wahnsinnsblick auf die Caldeira noch ein weiteres Highlight. Ein leer stehendes, in den 80er Jahren gebautes Hotel, das nun von den Touristen in Beschlag genommen wir und von dessen Dach der Ausblick auf den Krater noch einmal grandioser wirkt.


 







Bevor wir uns für die letzten drei Nächte in den Osten der Insel nach Nordeste aufmachen, nutzen wir das gute Wetter des nächsten Tages für eine Tour zum Lagoa do Fogo, ebenfalls ein riesiger Kratersee im Gebirgszug des Inselinneren. Dort oben weht nicht nur eine steife Brise, man hat von dort einen grandiosen Blick auf den See sowie auf beide Küstenseiten. Nimmt man auf der Hin- oder Rückfahrt die Straße nach Norden kommt man dort noch an den heißen Quellen von Caldeira Velha vorbei, in denen man in einigen Naturpools auch noch ein Bad nehmen kann.
















Der Osten der Insel ist noch dünner als der Rest besiedelt. Nordeste, mit seinen knapp 5.000 Einwohnern ist da schon die größte Stadt der Gegend. Die Region besticht durch steil abfallende Küstenlinie, in unterschiedlichen Grüntönen leuchtende Hänge und romantische Leuchtturm-Postkarten-Idylle. Auch hier werden wir wieder mit dem wechselhaften azoreanischen Wetter konfriontiert: Sonne - Sturm - Regen - Sonne - Sturm - …
Wir befahren die Ostküste mit unserem Clio bis nach Povoação - stoppen dort für einen Kaffee in einem landestypischen Café und fahren noch einmal zum Furnas-See, den wir bei unserem ersten Besuch von Furnas ob des Nebels gar nicht sehen konnte. Nun spazieren wir an seinem Ufer entlang und fotografieren die seit vielen Jahren leer stehenden und einen morbiden Charme versprühende Kirche an seinem Ufer. Und immer wieder sehen wir Romeiros - Gruppen von Männern unterschiedlichen Alters, die in der Woche vor Ostern pilgernd und singend über die Insel ziehen.










Nach sechs Tagen ist unsere Zeit auf Sao Miguel auch schon wieder vorüber. Vom Flughafen in Ponta Delgada geht’s mit einer kleinen Propellermaschine nach Faial, die eine Insel der mittleren Gruppe ist. Faial begrüßt uns auch mal wieder mit Nebel und Regen.










Unsere Unterkunft ist ein luxuriöses Glamping-Hotel inmitten einen Palmenwaldes. Von dort fahren wir zuerst einmal in die Inselhauptstadt Horta. Horta hat für seine beschauliche Größe einen riesigen Hafen. Hier fahren aber nicht nur die Fähren zu den Nachbarinseln ab, sondern der Ort ist vielmehr seit vielen Jahrzehnten für Segler aus aller Herren Länder letzter Stopp vor der Fahrt nach Amerika über den Atlantik. Irgendwann hat es sich eingebürgert, auf den Kai- und Hafenmauern vor dem Ablegen in die Neue Welt einen grafischen/visuellen Gruß zu hinterlassen, der nicht immer schön, aber doch interessant ist. Ansonsten trifft man sich im, für seinen Gin Tonic berühmten, Peter Café Sport um die Route mit der Crew zu besprechen.


 





Zum Sonnenuntergang fahren wir dann nochmal ganz in den Westen der Insel, dort wo 1957 einen Kilometer vor der Küste der Vulcão dos Capelinhos ausbrach und nach einiger Zeit mit der Hauptinsel einen neue Halbinsel bildete. Nach einem Jahr erlosch der Vulkan, der zu verheerenden Zerstörungen und der weder ersten noch letzten Ausreisewelle gen Amerika führte. Heute erinnert nur der halb zerstörte Leuchtturm sowie die riesigen graubraunen Aschewüsten an den verheerenden Ausbruch in den 50er Jahren. Das Wetter gestaltet sich auch am nächsten Tag nur bedingt besser, wir wagen es dennoch und fahren rauf zur Caldeira do Cabeço Gordo im Inneren der Insel. Der riesige grüne Krater liegt zwar im Nebel, doch der Wind fegt die Wolken so schnell über die Insel, dass sich immer mal wieder ein grandioser Blick auf den Grund der Caldeira ergibt. Von unserem Plan den Krater einmal per Fuß zu umrunden, nehmen wir dann aber doch recht schnell wieder Abstand - Wind und Nebel machen das nicht zu einer einladenden Unternehmung. Wir fahren wieder nach unten nach Horta, erhaschen den ersten Blick auf den Mt. Pico auf der Nachbarinsel und bereiten uns auf unsere Abreise auf die Ilha do Pico am nächsten Tag vor.
  • Von Faial ist es am nächsten Morgen nur eine kurze Fährfahrt hinüber nach Pico

    Der Name der Insel schmückt auch den höchsten Berg Portugals - Mount Pico. Wir holen unseren Mietwagen ab und beziehen eine Unterkunft mit grandiosem Blick auf das Meer und die Nachbarinsel.
Danach fahren wir erst einmal zurück in die Hauptstadt der Insel, nach Madalena. Wir buchen uns eine Wal-Tour für den kommenden Tag und fahren dann noch einmal ein bisschen kreuz und quer über die grüne Insel. Pico ist neben dem Mt. Pico vor allem durch seine Weine bekannt, die hier in einer besonderen Art und Weise angebaut werden. Hierzu werden die Hänge in kleine, durch Vulkangestein gemauerte Parzellen abgetrennt. Die Sonne erhitzt das schwarze Gestein, dass die Wärme langsam abgibt und somit für ideale Wachstumbedingungen sorgt. Offensichtlich hat das auch die Vereinten Nationen überzeugt, die diese Anbaumethode zum UNESCO-Weltkurturerbe erhoben haben.








Am nächsten Tag geht es schon früh nach Madalena, von wo wir mit dem Boot rausfahren. Nach ca. einer Stunde auf dem Wasser und grandiosen Blicken auf Mt. Pico sehen wir die ersten beiden Finnwale - „nur“ das zweitgrößte Lebewesen auf dieser Erde. Kurze Zeit später gesellt sich dann aber auch noch ein Blauwal dazu - das größte Tier dieser Welt. Kurz vor dem wilden Ritt über die Wellen zurück nach Madalena tollen dann auch noch ein paar Delfine neben unserem Boot umher.








Der letzte Tag unserer Reise auf den Azoren stand dann ganz im Zeichen des Montanha do Pico - dem höchsten Berg Portugals. Der Pico ist ein erloschener Vulkan, wie man ihn sehr häufig auf den Azoren findet. Der Aufstieg auf den 2351 m hohen Berg beginnt an der Casa da Montanha auf 1225 Höhenmeter. Wir werden mit einem GPS-Gerät ausgestattet und starten gegen 9:30 Uhr. Zuerst geht es noch durch ein Gebiet mit Sträuchern und kleinen Bäumen, doch schon bald verschwinden auch die letzten höheren Pflanzen und weichen einen Mix aus Kräutern und Gräsern. Wir klettern auf vulkanischen Gestein, nicht selten unter Zuhilfenahme unserer Hände dem Gipfel entgegen.








Der Weg ist durch 47 Pfosten markiert. Nach 3,5 Stunden kommen wir auf dem Kraterrand an. Auf diesem Plateau kann man entweder die Aussicht genießen, sich über den Wolken am Fuße des Vulkans sonnen oder aber noch einmal mit allen vieren auf den 70m hohen Piquinho klettern, dem eigentlichen Gipfel des Berges. Dort oben hat man einen atemberaubenden Blick über die Insel, das Meer und alle Inseln der Mittelgruppe der Azoren. Der Abstieg hat es dann noch einmal in sich - jeder Schritt muss auf dem spitzen Vulkangestein gut überlegt werden und so dauert es über 3 Stunden bis wir zurück an der Casa da Montanha sind. Dort entledigen wir uns unserer Wanderschuhe und fahren zurück zu unserer Veranda mit Aussicht. Die Folgen unser Pico-Besteigung spüren wir auch noch in unseren Beinen als wir schon längst wieder in Berlin sind.