• Alaska Header00001

    #13 - Island: Auf der Jagd nach Nordlichtern

    Einsamkeit und Stille begegnen uns auf der Fahrt über die Ringstraße entlang der Küste Islands. Im isländischen Herbst sehen wir weniger Touristen, dafür aber umso mehr Regenbögen, Wasserfälle, Fjorde, Berge, Vulkane und Geysire.
Gleich nach unserer Ankunft am Flughafen von Keflavík setzen wir uns in unseren kleinen Mietwagen, lassen Reykjavík in seiner frühmorgendlichen Geschäftigkeit links liegen und biegen ab auf Islands Straße Nr. 1; die Straße also, die uns einmal um die Insel herumführen wird. Nach einem kurzen Stop in Borgarnes und einem Kaffee in dem Restaurant, das auch Pate in „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ stand, folgen wir der Ringstraße bis nach Blönduós, wo wir unsere erste Nacht in Island verbringen.




Blönduós ist – wie so viele Orte in Island – ein kleines Nest im Nirgendwo, mehr Versorgungsstation für die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Farmen als eigenständige Stadt. Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Norden – die Temperatur sinkt und sorgt für Schnee anstatt Regen, der uns bisher ein treuer Begleiter auf unserer Fahrt war.

An der nördlichen Küste

 
Am Nachmittag des zweiten Tages erscheint am Horizont der Eyjafjörður, an dessen Ende Islands zweitgrößtes städtisches Ballungszentrum liegt: Akureyri. Mit wenig mehr als 18.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Akureyri die Hauptstadt des Nordens – wirtschaftliches und kulturelles Zentrum einer Region, die, abseits der Stadt, aus von Schafen bewohnten Bergen, Fjorden und einigen Pferdefarmen besteht.






Für uns ist dieses Städtchen in den nächsten fünf Tagen Basis für einige Touren in die Umgebung. Unsere Wohnung liegt auf der anderen Seite des Fjords, in einem architektonisch außergewöhnlichen Häuschen, das einen wunderbaren Blick auf Akureyri bietet. Und gleich am ersten Abend haben wir Glück und sehen erstmalig auf dieser Reise grün schimmernde Nordlichter über den Bergen Akureyris.
Den nächsten Tag verbringen wir mit Tee und Keksen und einem tollen Blick auf Akureyri in unserer Wohnung. Ein Schneesturm hält uns an diesem Tag davon ab, die Umgebung zu erkunden.
  • Zwischenseite Akureyi

    Der Schneesturm endet über Nacht

    Am nächsten Morgen taucht die Sonne die Landschaft in ein wunderbar goldenes Licht. Wir setzen uns bei -8°C und Sonnenschein ins Auto und fahren durch die feinste isländische Winterlandschaft vorbei am Goðafoss Wasserfall und weiter zum See Mývatn.
Dieser liegt auf einem Plateau und ist umgeben von kalten Vulkanen und riesigen Lavafeldern. Im gleißenden Sonnenlicht umrunden wir den See und halten gefühlt zwei Dutzend Male an, um den Versuch zu unternehmen, diese Schönheit in Bildern einzufangen.
 









Bei unserem zweiten Ausflug geht es auf der anderen Seite des Fjordes immer die Küste der Tröllaskagi-Halbinsel entlang nach Norden. Wir durchqueren rauchende und blubbernde Geothermalfelder, fahren durch hübsche kleine Orte wie Dalvík und Ólafsfjörður, quetschen und durch einspurige Tunnel und rasten an unserem Ziel in Siglufjörður, einem kleinen Fischerörtchen ganz im Norden der Halbinsel, dort wo es nicht mehr weiter geht - allein der Arktische Ozean trennt uns dann noch vom Nordpol.






Nach fünf Nächten nehmen wir Abschied von Akureyri und folgen der Ringstraße weiter in den Osten der Insel. Die Fahrt führt uns vorbei an Wasserfällen und riesigen Lava-Feldern, die vom letzten Schnee noch blass weiß sind. Doch da hat sich das Wetter bereits umgestellt: sintflutartig trifft der Regen auf die Fjordlandschaften des Ostens, sodass wir nur ansatzweise einen Eindruck von der Natur erahnen können. Wenn sich Nebel und Regenwolken dann doch einmal für einen kurzen Augenblick lichten, erblicken wir eine einmalige Landschaft voller Berge, Fjorde und - durch den Regen noch viel mehr – Wasserfälle.
Die Nacht verbringen wir in Fáskrúðsfjörður, in einem wunderschönen Hotel, dass früher einmal ein französisches Krankenhaus gewesen ist. Unser Zimmer bietet zwar einen Blick direkt auf den Fjord, doch können wir die andere Seite dank dichter Wolken nicht erspähen.
Der Regen bleibt auch am kommenden Tag unser treuer Begleiter – erst am Nachmittag bricht auch hin und wieder die Sonne durch die Wolken, als wir den Süden der Insel erreichen.
  • Zwischenseite Jökursalon

    Entlang des Seeufers liegen unzählige Eisbrocken am Strand

    Durch Jökulsárlón fließen die vom Gletscher abgebrochenen Eisberge gen Meer und werden dabei zu einer wunderbaren Kulisse. Am schwarzen Strand türmen sich die kleinen Eisberge auf und schmelzen langsam ab – dazwischen können wir immer wieder Robben sehen, die zwischen dem Eis herumtollen.
Unsere letzte Unterkunft, bevor es zurück nach Reykjavík geht, beziehen wir am Abend in Kirkjubæjarklaustur. Von dort fahren wir am nächsten Tag zum Seljalandsfoss, einem ganz besonderen Wasserfall: auf Grund seiner außergewöhnlichen Lage ist es möglich, den Wasserfall nicht nur von vorn zu bestaunen, sondern ebenso von der Rückseite. Einmal rumgelaufen ist man zwar pitschnass – das ist den Spaß aber in jedem Fall wert.
Zweites Highlight ist Vík í Mýrdal: das ist nicht nur der südlichste Punkt auf dem Festland Islands, der Strand in Vík ist darüber hinaus auf Grund der vulkanischen Aktivitäten durch die dort abgelagerte Lava komplett schwarz und bildet dadurch zur weißen Gischt der Wellen einen krassen Kontrast.




Kurz hinter Vík fahren wir von der Ringstraße ab und juckeln mit Schrittgeschwindigkeit über eine Schotterpiste zum Flugzeugwrack von Sólheimasandur. Dieses Flugzeug der US Navy stürzte 1973 ab – zwar überlebten alle Insassen, doch keiner sah sich gezwungen, das Wrack wegzuschaffen, sodass es heute ein beliebtes Ziel für Touristinnen und Touristen ist.
In Reykjavík nehmen wir unsere Freunde in Empfang, mit denen wir in den nächsten Tagen nicht nur die touristischen Highlights rund um Islands Hauptstadt entdecken, sondern auch das Iceland Airwaves Festival besuchen.
Am ersten Tag geht’s dem Gullni hringurinn, wörtlich Goldener Ring, entlang. Auf dieser touristischen Route kann man in kurzer Zeit drei Highlights Islands entdecken: die Geschichte Islands lässt sich hautnah in der ehemaligen Thing-Stätte Þingvellir nachempfinden. Dort wurde in alten Zeiten nicht nur Gericht gehalten und über die Christianisierung des Landes entschieden, hier wurde auch das moderne Island im Jahre 1944 gegründet.






Von dort geht es weiter nach Haukadalur, einem geothermalen Gebiet, in dem unter anderem ein großer Geysir namens Strokkur regelmäßig ausbricht und für Freude bei den Besucherinnen und Besuchern sorgt. Letztes Ziel des Goldenen Rings ist der mächtige Gulfoss – der Goldene Wasserfall – und damit auch Namensgeber für die gesamte Route.






An einem weiteren Tag bestaunen wir die Vulkanformationen und blubbernden Schlammtöpfe der Reykjanesskagi, einer Halbinsel westlich der Hauptstadt, die wegen ihres vulkanischen Ursprungs wenig Vegetation dafür umso mehr Lava-Felder aufweist. Ganz im Südwesten stemmen wir uns den Sturmböen am Strand des Leuchtturmes in Gardur entgegen und sehen die Sonne im Meer verschwinden. Den letzten Ausflug unternehmen wir noch einmal gemeinsam in den Süden des Landes nach Vík í Mýrdal.


Die restlichen Tage verbringen wir in Reykajvík. Islands Hauptstadt ist mit seinen 120.000 Einwohnern ungefähr so groß wie Nordneukölln und doch fühlt es sich viel größer an. Zwar hat man in der Innenstadt das Gefühl, man würde durch eine kleine norddeutsche Küstenstadt spazieren, die hohe Dichte an Cafés, Plattenläden, Einrichtungs- und Modeläden machen die Stadt aber zu einer echten Hauptstadt. Und dann ist da noch die Lage: direkt am Fjord hat man bei gutem Wetter einen wunderbaren Ausblick auf die Berge der anderen Seite. Ganz besonders gut lässt sich der Blick aus der Harpa genießen, der Perle Reykjavíks.
Dieses 2011 fertig gestellte Konzert- und Veranstaltungshaus ist ein wunderbares Beispiel gelungener zeitgenössischer Architektur. Im Innern dominiert schwarzes Vulkangestein und eine große Freitreppe, die die Etagen untereinander verbindet, von außen sorgt die Fassade von dem derzeit an der UdK unterrichtenden Ólafur Elíasson für Furore: inspiriert von den unterschiedlichen Lichtstimmungen seiner Heimatinsel, besteht sie aus einer wabenartigen Struktur aus dichroitischem Glas (Farbeffektglas), das je nach Wetter auf die wechselnden Tageslichtfarben reagiert.
Die Harpa wird in den Tagen des Festivals auch zu unserem zweiten Wohnzimmer – zwar finden die über 250 Konzerte des Festival in über einem Dutzend Orten in Reykjavík statt, die meiste Zeit verbringen wir aber in der Harpa. Die Aufteilung des Festivals über die Stadt macht das Iceland Airwaves neben seiner musikalischen Vielfalt und seinem hohen Anteil isländischer, grönländischer und färöer Künstlerinnen und Küstler zu einem einmaligen Festival. Die Stadt ist voll von Menschen aus aller Herren Länder, die sich im Nieselregen zwischen den Konzerten mit Hot Dogs und Getränken versorgen oder aber in eine der vielen Off-Venues abdriften, in denen viele Bands neben ihren offiziellen Konzerten kleine Aufführungen geben und die kostenlos besucht werden können. So ein Off-Venue kann ein Café, ein Hostel oder ein Modegeschäft sein.






Und zum Abschluss unserer Reise haben wir dann noch einmal das große Glück von einem Sonnensturm gesegnet zu werden. Mit etwas Glück sorgt dieser dann nämlich für wunderbare Nordlichter, die wir an einem Abend am Strand von Reykjavík bestaunen.
  • Zwischenseite Reykjavik

    Hier, in Island, endet unsere Reise

    Nach 2 ½ Wochen nehmen wir Abschied von Island und die zauberhafte Insel ganz im Norden Europas ist gleichzeitig auch der Schlusspunkt unserer Reise einmal um die Welt. 202 Tage und Nächte sind wir unterwegs gewesen, durch gigantische Landschaften, entlang einsamer Strände, durch pulsierende Metropolen und kulturelle Stätten, haben Unfassbares erlebt und viele tolle Menschen kennengelernt.
Nun landen wir im grauen Berlin – nach einem fantastischen Empfang durch Familie und Freunde dürfen wir uns gleich mit dem bundesdeutschen Service in Tegel herumschlagen: während der gesamten Reise ist uns nie etwas abhanden gekommen, in Berlin allerdings warten wir vergeblich auf unsere Rücksäcke – hallo Deutschland, hallo Berlin!