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    #Island: Stürmische Zeiten auf der Vulkaninsel

    Egal ob Sonne, Regen oder Schnee - es blies uns während unserer gesamten Reise im Südwesten der Insel immer kräftig ins Gesicht.
Am Freitag um 12 Uhr geht es los: wir verlassen bei stürmischen Winden die Hauptstadt Reykjavík und fahren mit unserem gemieteten Caddy in den Süden der Insel - nach Vík. Am Nachmittag soll der Sturm noch heftiger werden, vorher wollen wir aber noch über die Hellisheiði, eine Hochebene zwischen Reykjavík und Hveragerði kommen. Zwar weht und schneit es ordentlich hier oben, aber wir schaffen es und kommen heil auf der anderen Seite an. Bei Windgeschwindigkeiten zwischen 20 und 25 m/s und sintflutartigen Regenfällen fahren wir die Ringstraße weiter nach Vík. Dort treffen wir am Nachmittag ein, beziehen unsere herrliche Unterkunft mit - so ahnen wir auf jeden Fall - grandiosen Blick auf den Nordatlantik.






Wir nutzen die kurze Regenunterbrechung und fahren an den berühmten schwarzen Strand von Reynisfjara. Dort peitscht der Wind nicht nur die Wellen an, sondern uns auch den Sand ins Gesicht. Wir fliehen ins nahe gelegene Örtchen Vík und essen dort in einem kleine Restaurant zu Abend.






Am nächsten Morgen ist der Sturm zunächst einmal vorbei - das heißt nicht, dass es windstill ist, aber der Aufenthalt im Freien gestaltet sich doch ein Stück weit angenehmer. Früh zum Sonnenaufgang - das heißt Ende Februar kurz vor neun Uhr, fahren wir zum Strand von Kirkjufjara, wo wir noch einmal einen wunderbaren Blick auf skurrile Felsen und den vom Sonnenlicht glitzernden schwarzen Strand haben. Nach unserer Abfahrt klart das Wetter doch tatsächlich auf. In Vík scheint bei 7°C die Sonne - fast schon frühlingshaft.
Nach einem kurzen Abstecher zur Kirche und dem Hausstrand der Stadt geht es für uns weiter gen Osten. Unser heutiges Ziel ist die Gletscherlagune Jökulsárlón, die durch das Abschmelzen des Breiðamerkurjökull entstanden ist und seither in regelmäßigen Abständen größeren und kleinere Eisberge aufs freie Meer schickt.






Dort angekommen, werden sie durch die Wellen wieder zurück auf den schwarzen Strand gespült und dienen dann als großartiges Fotomotiv - der instagramhafte Name des Strandes ist daher auch „Diamond Beach“. Auf der Fahrt zum Jökulsárlón kommen wir an zahlreichen Gletscherzungen vorbei, die sich als Ausläufer des Vatnajökull in die flachen Küstengebiete ergießen - atemberaubende Anblicke eingeschlossen. Unser Tag lassen wir bei einem leckeren Essen in einem nahegelesen Restaurant ausklingen, dass der Einrichtung nach entweder seit den 80er Jahren nicht mehr renoviert wurde oder aber einen retro-affinen Besitzer hat, der auch in diesem Winkel der Welt diese stilvolle Periode konservieren möchte. Und dann am Abend: zum ersten auf der Reise Mal Nordlichter.




 

Unser nächstes Ziel heißt Snæfellsnes, eine Halbinsel nördlich von Reykjavík. Für uns bedeutet dies: rauf auf die Ringstraße und zurück gen Haupstadt. Wir haben aber noch eine Zwischenübernachtung eingeplant, sodass wir noch genug Zeit haben auf der Strecke das eine oder andere Mal anzuhalten. Erster Stopp: Fjallsárlón - ein Gletschersee, ganz ähnlich der Jökulsárlón, nur nicht ganz so stark von Touristen frequentiert. Das erste Mal seit Tagen hat der Wind nachgelassen - und der zugefrorene See liegt in seiner ganzen Pracht vor uns - und auch hier legen die Touristen eine interessante Verhaltensweise an den Tag: einfach mal rauf auf die durch die hohen Temperaturen angetaute Eisdecke des Sees - verrückt, diese Leute! Bevor wir uns zu unserer Cabin in der Nähe des Seljalandsfoss aufmachen, halten wir noch einmal am Skaftafell und wandern zu einem besonderen Wasserfall.
  • Der Svartifoss ergießt sich vor der Kulisse hunderter schwarzer Basaltsäule in die Tiefe

    Ein toller Anblick - die geometrischen Formen im Berg. Wir lassen die Gletscher und Wasserfälle hinter uns, fahren durch kilometerbreite, von grünem Moss überwachsenen, Lavafeldern und mäandernde Flussläufe, um bei starkem Sturm (endlich wieder) an unser Cabin für die Nacht anzukommen.
Der Sturm lässt auch am nächsten Morgen nicht nach und begleitet uns auf der verbleibende Fahrt nach Grundarfjörður, auf der nördlichen Seite der Snæfellsnes-Halbinsel. Dort, direkt am majestätischen Kirkjufell, dem Hausberg des kleinen Fischerörtchen, haben wir für die nächsten zwei Nächte eine kleine Hütte angemietet. Bei orkanartigen Böen und starkem Regen werden wir von den drei Hunden unserer Gastfamilie begrüßt und machen es uns dann erst einmal in der Wärme gemütlich. Und dann hat der isländische Wetterdienst doch tatsächlich Recht: gegen 21 Uhr lässt der Wind und Regen nach und zwischen den Wolken zeigen sich erste Lücken, die den Blick auf Sterne und Vollmond frei geben und kurz später beginnen die ersten Polarlichter über uns hinwegzuziehen. Wir nutzen diesen kurzen Moment des ruhigen Wetters und spazieren zum Kirkjufellsfoss und machen wohl einige der spektakulärsten Aufnahmen der ganzen Reise.






 

Unsere Walbeobachtungs-Tour ist wetterbedingt für den nächsten Tag abgesagt, sodass wir uns ins Auto setzen und Snæfellsnes erkunden: ganz im Westen der Insel beobachten wir die Vögel an den Klippen, fotografieren bunte Leuchttürme vor schwarzen Lavagestein, schlendern durch das kleine Örtchen Stykkishólmur und schlagen uns durch den Sturm auf die Südseite der Halbinsel bevor es zurück zu unserer Unterkunft geht. Am nächsten Tag hat dann tatsächlich der Wind nachgelassen - wir verlassen unsere wunderbare Cabin, schmeißen uns in einen wasserdichten Overall und fahren raus auf den Breiðafjörður. Seit neun Tagen sind wir wetterbedingt die erste Tour und bereits kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen sehen wir die ersten Weißschnauzendelfine, die unser Boot für eine Weile bei der Fahrt hinaus in den Fjord begleiten. Kurz darauf sehen wir einen Buckelwal, der uns seine mit Blümchen geschmückte Schwanzflosse zeigt, sobald er zum Jagen in die Tiefe abtaucht. Nach einer langen Fahrt auf dem Fjord treffen wir dann tatsächlich auf eine Gruppe von vier Schwertwalen, die wegen des weit verbreiteten Herings in der Region jagen und, wie wir von der anwesenden Meeresbiologin lernen, in einem von Mutti geführten Matriarchat leben.








Nach unserer Tour kehren wir der Nordseite der Halbinsel den Rücken zu, beziehen an der Südküste unsere nächste Unterkunft und wachen am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein auf. Zwar hat der Wind nicht nachgelassen und auch die Temperaturen sind in den Minusbereich gerutscht - die Sonne tut uns aber nach dem vielen Grau und Regen sehr gut.
Wir nutzen das Wetter und wandern die Küste entlang, vorbei an bizarren Felsformationen zum nächsten Örtchen Hellnar und wieder zurück nach Arnarstapi. Wir drehen noch einmal eine Runde entlang der Westküste der Halbinsel, fahren noch einmal am Kirkjufell vorbei, bevor wir nach Hveragerði aufbrechen, unserer letzten Station der Reise. Spät am Abend kommen wir in diesem von geothermaler Aktivität geprägten Ort an - unser Hotel nutzt diese heißen Quellen und so kommen wir in den Genuss, direkt vor unserem Zimmer einen heißen Pool zu haben, in dem wir am Abend springen und tatsächlich auch Nordlichter sehen.
 









Am nächsten Tag schauen wir kurz beim Gulfoss vorbei, fliehen aber vor der vom Sturm aufgepeitschten Gischt und folgen dem Flussbett des Þjórsá in die Isländischen Highlands. Unterwegs machen wir Halt beim Hjalparfoss um kurz darauf auf einer riesigen sonnendurchfluteten Hochebene anzukommen, auf die es nur wenige Touristen verschlagen hat. Nach unserer Rückkehr wärmen wir uns vom Sturm ausgekühlt wieder in unserem heißen Pool auf.
Am letzten Tag unserer Reise fahren wir noch einmal in den Süden der Insel, halten am Skógafoss und Seljalandsfoss und klettern in den Höhle des Gljúfrabúi Wasserfalls. Zum Sonnenuntergang verlassen wir die Wasserfälle und fahren bis nach Reykjanesbær, um dort die letzte Nacht vor unserem Rückflug nach Berlin zu verbringen.