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    #Lofoten: Von Kabeljau, Fjorden und Nordlichtern.

    Nördlich des Polarkreises, vor der Küste Norwegens, in den arktischen Gewässern des Europäischen Nordmeers liegt die Inselgruppe der Lofoten - ein Eiland aus hunderten Inseln, Fjorden und schroff aus dem Wasser ragende Felswänden.
Schon der Anflug auf den Flughafen von Narvik ist atemberaubend: auf der einen Seiten die gletscherbedeckten Bergrücken von Festlandnorwegen und auf der anderen Seite die vielen kleinen grünen Inseln des Archipels der Lofoten und Vesterålen. Nach dem Ausstieg aus dem Flieger warten wir vergeblich auf unser Gepäck und machen uns erst einmal nur mit dem Handgepäck bewaffnet bei sommerlichen 20°C auf gen Henningsvær.








Die Fahrt auf der Hauptroute der Lofoten, der E10, führt schon zu Beginn an unglaublich schönen Landstrichen vorbei - Seen, Fjorde und Berge säumen den durch unzählige Brücken und Tunnel gesäumten Weg nach Südwesten. Bevor wir aber die eigentlichen Lofoten erreichen, kommen wir noch einmal in eine Verkehrskontrolle, die uns zum Glück bescheinigt, dass wir „Safe for the roads“ seien. Nach 3 Stunden Fahrt verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf eine einspurige Straße ab, die uns in das kleine Fischerörtchen Henningsvær bringt. Zwei Brücken verbinden die Inseln, auf denen der Ort verteilt ist, mit der Hauptinsel. Es gibt wohl Menschen, die diesen Ort „Venedig des Nordens“ nennen und obgleich der Ort wirklich hübsch ist und man überall schnellen Zugang zum Wasser hat, glaube ich, dass der Vergleich mit Venedig jedoch ein Stück weit hinkt.
Fisch ist hier in Henningsvær - aber auch überall sonst auf den Inseln der Lofoten - allgegenwärtig, schließlich waren es die reichen Kabeljaugründe der Region, die überhaupt erst einmal dafür sorgten, dass Menschen sich hier niederließen. Traditionellerweise wird der Fisch auf den Lofoten nach dem Fang einige Wochen lang an der frischen Luft zu Stockfisch getrocknet und dann als regionale Spezialität in alle Welt verschifft. Der getrocknete Fisch wird dann entweder pur gegessen oder aber in Wasser aufgeweicht und nach Geschmack zubereitet - für manche, so auch für unsere Mägen, ist das nicht immer so ganz leicht verdaulich, obgleich sehr lecker.














Nachdem unser Gepäck am nächsten Morgen im Hotel angeliefert wurde, kann es weiter gen Reine gehen. Kurz vor dem Ende der E10 ist Reine wohl die touristische Hauptattraktion der Inseln. Und das kann man gut verstehen, wenn man aus dem letzten Tunnel herauskommt und die steilen Bergwände, kleinen Inseln und Fjorde sieht, die diesen Ort prägen - mit den vielen hölzernen Fischerhütten direkt am Wasser in Rot, Orange oder Gelb, die heute häufig an Touristen vermietet werden, strahlt dieser Ort das ultimative Norwegen-Feeling aus.
  • Im beschaulichen Örtchen Reine thront ein riesiger Fels über der Siedlung

    Wir fahren die E10 noch ein Stückchen weiter, bis sie nach 10km in Å, dem letzten mit einem Fahrzeug zu erreichenden Örtchen auf den Lofoten, endet.
In Å scheint die Zeit still zu stehen, zumal sich Mitte Oktober nur noch eine Handvoll Touristen nach Å verirren. Nach einem Tee im einzigen Café des Ortes geht es zurück und weiter auf die Westseite der Insel nach Bjørnsand, wo wir für die nächste Tage ein Haus direkt am Fjord gebucht haben und das uns in der ersten Nacht einen atemberaubenden Ausblick auf die unzähligen Polarlichter bietet. Das grüne und violette Leuchten von Aurora borealis begleitet uns die gesamte Zeit, die wir auf den Lofoten verbringen. Und obgleich das Wetter häufig stürmisch oder regnerisch ist, reißt der Himmel nachts immer mal wieder auf und gibt den Blick auf das durch elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds in den oberen Schichten der Erdatmosphäre hervorgerufene grünlich-violette Schimmern frei.


 







 



Von Bjørnsand aus machen wir Ausflüge zu den beiden karibisch anmutenden Stränden von Haugland und Uttakleiv und wandern auf den Ryten. Der Aufstieg auf diesen Berg beginnt im Örtchen Fredvang auf Meereshöhe, von wo es zu Beginn leicht aufwärts geht, dann recht steil bis über einen ersten Kamm, von dem wir die ersten Ausblicke genießen können. Immer wieder kommen uns bei strahlendem Sonnenschein Wanderer jeden Alters entgegen. Nach dem ersten steilen Anstieg geht es die nächste halbe Stunde nur leicht bergauf, über Wiesen und Moore, die mit Holzwegen auf Stelzen begehbar gemacht wurden. Kurz bevor wir die andere Seite der Insel und damit den Endpunkt unserer Wanderung erreichen, müssen wir noch einmal einige Höhenmeter überwinden, um ganz oben von einem wunderschönen Blick über die Lofoten, den Strand von Kvalvika und den Atlantik entlohnt zu werden.














Dort erleben wir dann wieder die Generation Instagram bei der Arbeit: Ein Felsvorsprung bietet sich für eine Fotosession an, da dieser die Illusion erzeugt, darunter würde es 450m in die Tiefe gehen (geht es natürlich nicht) - „Jennifer, ich werde jetzt gleich total witzig in die Luft springen - kannst Du davon ein Bild machen?“ Jennifer muss das dann natürlich noch 20 mal wiederholen, weil es dem Thomas nicht so gut gefällt. Junge Menschen bei der Arbeit!

Wir trinken anschließend einen Kaffee in Ramberg, bevor wir den weißen Strand des Örtchen entlang wandern und die Kirche von Flakstad besichtigen.
Unsere nächste Station ist Reine, von wo aus wir mir mit dem Boot nach Flakstad übersetzen und zum Bunes Strand wandern, einem kilometerlangen Strand eingerahmt von riesigen Felswänden. Wir essen die berühmten Fischburger bei Anita auf Sakrisoy, sind gebannt von den vielen grandiosen Aussichten, die sich von dem unzähligen kleinen Inseln des Reinefjords ergeben und verlassen den Ort schließlich gen Svolvær, dem letzten Abschnitt unser Reise.


 








Svolvær ist neben Leknes vielleicht so etwas wie die zweite Hauptstadt der Lofoten - vergleichsweise groß, was im Maßstab der Lofoten bedeutet, dass es mehr als zwei Restaurants und mehr als einen Supermarkt gibt. Und zusätzlich hat die Stadt noch die Ehre, Haltepunkt der berühmten Hurtigruten Postschiffe zu sein. Diese Schiffe, die die norwegische Atlantik- Nordmeerküste zwischen Bergen und Kirkenes durchpflügen, halten für 90 Minuten in Svolvær, spucken die mitreisenden Touristen aus, die das Hafenbecken einmal hoch und wieder runterlaufen, um die Stadt sogleich wieder zu verlassen - ein tägliches Schauspiel am Abend um 19 Uhr. Spätestens an dieser Stelle der Reise ist dann aber auch der Herbst auf den Lofoten angekommen: Regen, Sturm und kühle 10 Grad verwandeln die Inseln zwar in einen ungemütlichen Ort, sorgen aber auch für wunderbar herbstliche verfärbte Wälder an der Hängen der Berge. Einen letzten Trip unternehmen wir auf der Insel Gimsøy, bevor uns der Sturm zurück aufs Festland trägt und wir uns in das Flugzeug zurück nach Oslo setzen.