• #Färöer Inseln: Kalte Sommertage auf dem Nordatlantik-Archipel

    Unsere Flucht vor Corona auf die Inseln im Nordatlantik beschert uns viel schlechtes Wetter, kalte, neblige und verregnete Sommertage aber auch grandiose Steilküsten, Wasserfälle und eine Kolonie aus tausenden Papageientaucher.
Im Sommer 2020 gibt es in Europa nur noch wenige Orte, die tatsächlich keine aktiven Corona-Fälle haben. Der Archipel der Färöer Inseln ist einer dieser Orte, den wir schon lange - und nicht nur wegen der Corona-Abstinenz - bereisen wollten (natürlich begann dann just vier Tage nach unserer Ankunft die zweite Corona-Welle). Mit einem kurzen Umstieg in Kopenhagen und einem im Ergebnis tatsächlich relativ entspannten Flug landen wir auf der Insel Vágar, in Sørvágur, dem einzigen Flugplatz der Färöer. Es begrüßt uns ein leichter Wind bei 12°C - also ein ganz normaler Sommertag auf den Färöern. Nach unserem obligatorischen Corona-Test, dessen negatives Ergebnis wir zum Glück schon sechs Stunden später erhalten, fahren wir mit unserem kleinen Suzuki in unsere Unterkunft nach Tórshavn. Unsere Wohnung ist am Rande der Stadt, ein wenig erhöht gelegen und daher mit einen grandiosen Blick über die Hauptstadt, den Hafen und Nólsoy, die benachbarte Insel gesegnet.











Von Tórshavn, unserer Basis für die nächsten sechs Tage, bereisen wir große Teile - wenn nicht sogar alle Gebiete, die mit dem Auto auf diesem 18 Inseln zählenden Archipel erreichbar sind. Zunächst fahren wir von Streymoy, der größten Insel, auf der sich auch die Hauptstadt Tórshavn befindet, zurück nach Vágar, wo wir zuvor mit dem Flieger gelandet sind. Wir lassen den Flughafen aber links liegen und fahren die Straße mit der Nr. 11 soweit, bis sie nach einem einspurigen Tunnel in Gásadalur endet. Hier wohnen einige Dutzend Menschen und viele, vermutlich die dreifache Anzahl von Schafen, wie eigentlich überall auf den Färöern. Doch der kleine Ort hat nicht nur eine fantastische Lage, sondern ist zugleich eines der beliebtesten Fotomotive für Touristen, stürzt hier doch am Eingang des Ortes auf sehr fotogene Weise ein kleiner Fluss in den Atlantik. Hier sehen wir im Übrigen auch unsere ersten Puffins - Papageientaucher - die später auf der Reise noch eine größere Rolle spielen werden. Den Tunnel, der Gásadalur mit dem Rest der Insel und der Zivilation verbindet, gibt es übrigens erst seit 2006. Bis dahin mussten alle Waren und Menschen über gefährliche Bergpfade transportiert werden, denn auch einen Hafen gab es an der Steilküste von Gásadalur nicht. Weshalb sich dann an diesem gottverlassenen Ort überhaupt Menschen niedergelassen haben, ist eine Frage, die uns während unserer Zeit auf den Färöern noch an viele anderen Orten begegnen wird. Auf unserem Weg zurück nach Tórshavn erhaschen wir auch den ersten Blick auf die andere Seite des Sørvágsfjørður auf Drangarnir, einen riesigen durchlöcherten Felsblock, und Tindhólmur mit seiner felsigen Zackenkrone.










Die nächsten Tage werden wir jede Stunde den Wetterbericht checken, um dann zu entscheiden, in welche Richtung wir losfahren, nur um festzustellen, dass wir uns auf den Färöer nur sehr bedingt auf diesen Bericht verlassen können, ändert sich das Wetter doch tatsächlich sehr schnell: ist auf der einen Seite des Berges dichter Nebel, kann auf der anderen Seite die Sonne scheinen. Die Vorhersage am nächsten Tag sieht aber gar nicht so schlecht aus, daher wagen wir es, wieder nach Vágar zu fahren, wo wir eine kleine Wanderung zum Trælanípan unternehmen. Vorbei am größten See der Inselgruppe, dem Sørvágsvatn, wandern wir bei strahlendem Sonnenschein, bis zur Steilküste, an der die Insel 300 Meter in den Tiefe stürzt. Schon kurz nach unserer Ankunft sehen wir am Horizont ein Regengebiet aufziehen, das uns nach 20 Minuten in feinen Niesel hüllt, um spätestens bei unserer Ankunft am Parkplatz wieder schönem Wetter zu weichen.






Am nächsten Tag schlägt das Wetter von schlecht auf sehr schlecht um. Wir verbringen den Tag in der Wohnung und streifen ein wenig durch die Innenstadt und das Regierungsviertel des Landes, das sehr idyllisch auf einer kleinen Halbinsel im Hafen liegt. Tórshavn ist zwar die größte Stadt auf den Färöer, aber dennoch vergleichsweise winzig, sodass wir eigentlich nach 1,5 Stunden das Wichtigste gesehen haben. Wir wärmen uns dann noch bei einem Kaffee und einem Smørrebrød in einem der kleinen Cafés in der Innenstadt auf, bevor wir durch den Regen zurück zu unserer Wohnung ziehen. Am Abend wird es dann noch einmal schöner, und wir nutzen die Chance, um auf die andere Seite der Insel nach Kirkjubøur zu fahren. Dort befand sich viele Jahrhunderte das geistige und kulturelle Zentrum der Färöer, bevor der Tross weiter nach Tórshavn zog. Doch noch heute dominieren in dem pittoresk gelegenen Ort kleine schwarze Holzhäuser mit einem Dach aus Grassoden - typisch für die Färöer und darüber hinaus absolut fotogen.








  • Am nächsten Tag sieht das Wetter für färöische Verhältnisse besser aus.

    Wir entscheiden uns nach Saksun zu fahren. Das ist ein sehr kleines Örtchen an der Nordostküste der Insel Streymoy und nur über eine einspurige Straße zu erreichen, die mitten im Ort in einem kleinen Parkplatz endet.
Saksun liegt nicht nur malerisch an einer kleinen Bucht umgeben von den grünen Bergen der Färöer, nein, es bietet allen Instagram-Jüngern auch noch eine hübsche, kleine, weiße Kirche als idealen Vordergrund, um Follower in Verzückung zu versetzen. Dass sich die wenigen Dutzend Einwohner dieses Dorfes davon in der touristischen Hochsaison ein Stück weit überrannt fühlen, ist verständlich, dann aber den Zugang zum Meer mit einer Bezahlschranke zu versehen, ist dann dennoch ein wenig eigentümlich. Der unterschiedliche Umgang mit diesem „Phänomen“ Tourismus wird uns aber noch an vielen Stellen begegnen - hier bezahlen wir 85 Dänische Kronen, um zum Meer wandern zu können, an anderen Orte zahlen wir das Dreifache um einen Berg besteigen zu dürfen. Offensichtlich fehlt hier noch ein Konsens darüber, ob und wenn ja, welcher Tourismus auf den Färöer gewünscht ist.













Saksun ist dennoch ein Traum - auch wenn es nach einiger Zeit wieder zu nieseln beginnt. Nach unserem Ausflug über den durch die Ebbe freigelegten Meeresboden, kehren wir zum Auto zurück um der Buttercup Route (Butterblumen-Route) zum Fossá zu folgen - dem größten Wasserfall der Färöer. Und obgleich das eines der größten touristischen Highlights der Inseln ist, sind wir fast allein. In Island müssten wir uns an einem ähnlichen Ort vermutlich durch die Menschenmassen wühlen, um überhaupt etwas vom Wasserfall erspähen zu können. Hier haben wir den Wasserfall ganz für uns allein.






Wir folgen der Buttercup Route weiter gen Norden und gelangen ganz am Ende der Straße nach Tjørnuvík, einer traumhaft gelegenen Ortschaft mit Blick auf die Brandungspfeiler vor der auf der Nachbarinsel Eysturoy gelegenen Ortschaft Eiði.
Am folgenden Tag fahren wir bis in den äußersten Nordosten der Inselgruppe. Dazu geht es bis Klaksvík, der Second City der Färöer, und dann weiter durch zwei einspurige Tunnel (davon haben die hier mehrere - schon ziemlich creepy) bis auf die Insel Viðoy nach Viðareiði, ein kleines Dorf am Ende der Färöer, gefühlt am Ende der Welt. Hier entrichten wir unsere 50 Euro, für den Zugang zu einem Wanderweg über Felder auf einen Berg, um von dort oben eine der beeindruckendsten Aussichten der ganzen Färöer zu genießen.








Am Tag darauf geht’s noch einmal in den Nordosten. Diesmal nehmen wir aber die Autofähre in Klaksvík nach Kalsoy, eine der 18 Inseln, die nicht per Tunnel oder Brücke zu erreichen ist. Wir sind das vorletzte Auto, dass auf die Fähre passt - knappes Ding. Drüben angekommen, fahren wir auf der einzigen Straße immer gen Norden - natürlich müssen auch hier wieder mehrere einspurige Tunnel durchquert werden, bevor wir im letzten Ort, in Trøllanes angekommen. Von dort wandern wir bis ganz zur Spitze der Insel, zum Leuchtturm von Kallur. Der wurde offensichtlich an einer falschen Stelle platziert, sodass er von der See nicht zu sehen war, was für so einen Leuchtturm echt blöd ist. Es wurde dann einfach entschieden, den Hügel kurzerhand wegzusprengen. Das freut zwei Gruppen von Menschen - die Seefahrer und die Touristen, die nun eine wunderbare Aussichtsplattform zur Verfügung haben.












Unser Ausflug nach Eiði und Gjógv im Norden der Insel Eysturoy am nächsten Tag beendet dann unsere Tour in den Norden und Nordosten der Inselgruppe. Gjógv ist einer der pittoreskesten Orte auf den ganzen Färöer. Im Osten der Insel gelegen, scheint dort häufiger die Sonne als in anderen Teilen der Inseln, sodass auch viele Färinger ihre Ferienhäuser hier beziehen, dementsprechend voll war es bei unserem Besuch. Die Sonne schien, die Möwen kreischten und wir fuhren uns gleich beim Einparken erst einmal fest und kamen keinen Millimeter mehr von der Stelle. In dieser Situation bekamen wir es mit der Gastfreundschaft der Färinger zu tun: unsere Malaise wurde sogleich von einem netten Menschen erkannt, der seinen Kumpel alarmierte, und nach nur zehn weiteren Minuten waren wir aus dem Graben gezogen. Dem kleinen Suzuki ging es noch immer gut, und wir konnten entspannt den Ort mit seinem schluchtartigen Naturhafen und die Umgebung erkunden.










  • Wir verlassen die Stadt, um ein kleines Häuschen in Bøur direkt am Sørvágsfjørður zu beziehen.

    Der Blick von der Terrasse und aus dem Fenster ist atemberaubend: auf der anderen Seite des Fjords ragt mit einer gezackten Krone Tindólmur empor, und davor steht das Felsentor von Drangarnir in den Wellen des Nordatlantiks.
Für die nächsten drei Nächte ist diese Hütte unsere Bleibe, bevor wir noch einmal die Fähre besteigen, um zur südlichsten Insel, nach Suðuroy zu fahren. Doch zu erst einmal steht noch ein anderes Highlight auf unserer Liste: Mykines. Diese am westlichsten gelegene Insel ist das Ziel vieler Touristen, kann doch dort in unmittelbarer Nähe eine riesige Kolonie von Papageientauchern beobachtet werden. Doch zuerst heißt es, dort überhaupt hinzukommen. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder mit der Fähre oder mit dem Hubschrauber. Das nationale Hubschraubernetz ist staatlich gefördert, um auch den Bewohnern der äußeren Inseln einen günstigen Transport in die Zentren zu ermöglichen - uns scheinen sich dadurch ganz neue Reisemöglichkeiten zu erschließen. Wir planen also den Hinflug mit dem Hubschrauber und die Rückfahrt mit der Fähre. Am Tag der Abreise begeben wir uns zum Flughafen, der - mal wieder - im Nebel liegt. Davon lassen wir uns aber noch nicht abschrecken, wissen wir nun doch schon, dass das Wetter sich auch wieder sehr schnell ändern kann.










Nach einer kurzen Einweisung besteigen wir mit einigen anderen Menschen den Helikopter und heben ab. Nur ganz knapp unter den Wolken fliegen wir über das Wasser gen Mykines, das Wetter wird nur leider nicht besser, sodass der Pilot entscheidet umzudrehen und wieder am Ausgangspunkt zu landen. Ein kurzer Ausflug mit dem Helikopter, nur leider nicht erfolgreich. Dazu lässt sich sagen, dass auch die Fähre keine sichere Bank ist. Wir haben die Fähre an insgesamt sechs Tagen gebucht und nur an zwei Tagen ist sie dann tatsächlich auch gefahren. Einer davon war der Tag nach unserem missglückten Helikopterausflug. Diesmal stimmte alles, sogar das Wetter war auf Mykines für färöische Verhältnisse traumhaft, mittelstarker Sturm und Sonne/Wolken-Mix. Auf Mykines wohnen nicht viele Menschen, dafür umso mehr Federvieh: eine riesige Kolonie Papageientaucher, Möwen und Basstölpel kann auf der Wanderung bis ans Ende der Insel zum Leuchtturm beobachtet werden.








Bevor wir die Nachmittagsfähre nach Suðuroy nehmen, machen wir noch einmal einen Abstecher zu Trøllkonufingur, dem Hexenfinger - einem riesigen Brandungspfeiler, der uns bei unserem ersten Besuch noch in dickem Nebel verborgen blieb. Auf unserem Weg nach Tórshavn zur Fähre fahren wir auf Streymoy noch einmal hoch zur Radarstation, die wir an diesem Tag just das erste Mal ob des fehlenden Nebels erspähen. Von dort haben wir noch einmal einen fantastischen Blick über Streymoy, Eysturoy und Vágar. Kurz nach drei am Nachmittag rollen wir dann auf die die Fähre, die uns auf die südlichste der Färöer Inseln bringt.
Wir lassen Sandoy, Stóra Dímun und Lítla Dímun rechts liegen, um nach zwei Stunden in Krambatangi gegenüber der Inselhauptstadt Tvøroyri auf Suðuroy anzukommen. Wir beziehen unser hübsches kleines Airbnb und nutzen den Abend mit dem fantastischen Wetter noch einmal, um ganz an die Südspitze der Insel zu fahren, zur Steilküste von Beinisvørd. Von dort oben haben wir einen fantastischen Ausblick auf die ganzen Insel, hinter der langsam die Sonne im Meer versinkt.










Am nächsten Tag wird das Wetter am Nachmittag immer schöner, was wir nutzen um direkt von unserem Haus nach Hvannhagi auf die andere Seite der Insel zu wandern, dort gibt es nicht nur einen fantastischen Blick auf die unbewohnte Insel Lítla Dímun, sondern wir können uns erstmals windgeschützt sogar ein bisschen sonnen!










Nach nur drei Nächten verlassen wir Suðuroy. Es geht zurück nach Streymoy, wo wir bei strahlendem Sonnenschein ankommen und das Wetter noch einmal für einen Ausflug auf die Westseite nach Norðradalur nutzen. Auch dies ein Ort, wo wir uns fragen, weshalb es Menschen tatsächlich nach hier verschlagen hat. So gab es auch hier bis in die 70er Jahre keine Straße - das bedeutet also, dass alle Waren zu Fuß oder mit dem Pferd über den Berg transportiert werden mussten - verrückt! Bevor wir unsere letzte Nacht in Sandavágur, nicht weit vom Flugplatz verbringen, gehen wir noch einmal in eines der wunderbaren Restaurants in Tórshavn essen und spazieren noch einmal bei schönem Wetter durch die pittoreske Altstadt. Am nächsten Morgen heißt es dann auch schon „Farvæl Føroyar“.