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    #11 - Argentinien & Brasilien: Von tropischen Naturwundern und Großstadtdschungeln

    Koloniale Altstädte, urbane Großstadtdschungel und tropische Naturwunder begegnen wir auf unserer Reise von Salta in Argentinien bis zu den Stränden von Copacabana und Ipanema unter dem Zuckerhut in Rio de Janeiro.
Nachdem wir just die zwei Tage des chilenischen Nationalfeiertags in San Pedro de Atacama verbracht haben, fahren wir mit dem Bus einmal über die Gipfel der Anden, um nach 10 Stunden in Salta anzukommen. Nach zwei Wochen Wüste ist der Anblick von Bäumen und Sträuchern eine Wohltat für die Augen und die Seele.






Salta ist vor allem wegen seiner wunderbaren kolonialen Altstadtkulisse ein reizvolles Ziel im Nordwesten Argentiniens. Wir schlürfen koffeinhaltige Kaffeespezialitäten in den Arkaden des Plaza 9 de Julio und bestaunen die Kinder–Mumien der Inka, die man vor über eineinhalb Jahrtausenden tatsächlich erst monatelang gemästet und ihnen gehuldigt hat, bevor sie auf einen Berg getrieben, dort betäubt und dann lebendig begraben wurden, nur um die Götter zu besänftigen und den zukünftigen Wohlstand zu mehren.
Von Salta geht es mit dem Flieger in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Unser stylisches Hotel liegt in San Telmo, einem der wenigen Viertel dieser riesigen Stadt, in der in einigen Straßen noch etwas vom ursprünglichen Charme der Metropole zu erahnen ist. An jedem Sonntag findet außerdem ein riesiger Kunst– und Trödelmarkt in den engen Straßen statt, auf dem man nicht nur eine Menge skurriler Mitbringsel bekommt, sondern zugleich auch einige Tangodarbietungen bestaunen darf.


Abgesehen von San Telmo und dem überteuerten Palermo ist Buenos Aires auch eine Ansammlung von Bausünden vergangener Tage. Ein bisschen hat man versucht, die Ecken mit viel Glas und Stahl zu verschönern, was dem Gesamtbild leider trotzdem nur bedingt zuträglich ist. Da ist es umso schöner, wenn man die Skyline hinter sich lässt und durch die Schilf– und Graslandschaften der Reserva Ecológica Costanera Sur direkt am Río de la Plata spaziert. Zwar ist das Wasser hier durch mehrere Flüsse nicht nur braun, sondern vor allem dreckig, sodass man die Badehose lieber im Rucksack lässt - dennoch bildet der Park einen wunderbaren Kontrast zur dahinter liegenden Großstadt.
Wir verabschieden uns von Buenos Aires und fliegen ganz in den Nordosten des Landes, zu den Wasserfällen von Iguazu. Am ersten Tag beschauen wir die Fälle von der argentinischen Seite. Am Eingang des Nationalparks angekommen, reihen wir uns in den nicht enden wollenden Strom der Besucherinnen und Besucher ein und wandern durch den saftig grünen Urwald gen Wasser, das sich schon von weitem akustisch bemerkbar macht.
  • Zwischenseite Iguazu

    Mitten im Urwald strömen die gigantischen Wassermassen hinab

    Umgangssprachlich Teufelsschlund genannt, erstrecken sich die insgesamt 20 größeren und 255 kleineren Wasserfälle über eine Breite von 2,7 Kilometer und sind dabei bis zu 82 Meter hoch. Damit zählen die Wasserfälle in Iguazu zu den größten der Welt.
Und in der Tat machen die Ausmaße und die Lage mitten in den Tropen die Iguazu Fälle ganz klar zum Gewinner, wenn man die Niagara Fälle in Nordamerika zum Vergleich heranzieht. Und es wäre natürlich super langweilig, sich dieses Naturwunder nur per pedes anzuschauen, deshalb hat das zahlungskräftige Publikum auch die Möglichkeit, sich mit dem Hubschrauber über die Wasserschluchten fliegen zu lassen. Das bedeutet für die am Boden Gebliebenen eine dauerhafte Geräuschkulisse, die eher an einen Flughafen einer mittelgroßen Stadt erinnert, als an Wasserfälle mitten im Urwald – eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass die Fälle sowohl für Brasilien als auch Argentinien ein, wenn nicht das größte, Naturspektakel darstellen. Doch auch hier siegt – wie so oft – pure Profitgier über Vernunft. Nichtdestotrotz bestaunen wir die herabstürzenden Wassermassen am kommenden Tag noch einmal von der brasilianischen Seite und setzen erst dann unsere Reise an die Atlantikküste, nach Florianópolis, fort.






Dort fahren wir vor allen Dingen wegen der Ilha Santa Catarina hin, die – halbwegs gutes Wetter vorausgesetzt – sicher ein lohnendes Ziel ist. Die wenigen regenfreien Momente nutzen wir für Strandspaziergänge, sonst verbringen wir viel Zeit damit, Geld zu beschaffen - was in Brasilien tatsächlich nicht immer so einfach ist. In der größten Volkswirtschaft des südamerikanischen Subkontinents ist es immer ein großes Glück, wenn man nach langer Suche einen Automaten findet, der auch einer ausländischen Karte Geld ausgibt.
Dafür dürfen wir von einem historisch günstigen Wechselkurs profitieren, der sich vor allem wegen einer seit Monaten grassierenden Wirtschaftskrise für Reisende aus Europa sehr gut entwickelt hat. Die Auswirkungen für die Bevölkerung sind dagegen gravierend: nicht nur Arbeitslosigkeit und Armut steigen, auch die Kriminalität nimmt in den Städten, hier vor allem in Rio de Janeiro, besorgniserregende Ausmaße an. Dass große Teile der politischen Elite durch eine weit verbreitete Korruption mit dafür verantwortlich gemacht werden, sorgt zusätzlich für eine aufgeheizte Stimmung, sodass es abzuwarten ist, wie die Brasilianerinnen und Brasilianer die Olympischen Spiele im kommenden Jahr nutzen, um der gesamten Welt ihren Unmut über ihre Regierung um Dilma Rousseff kund zu tun.
Von Florianópolis geht es für uns für einen kurzen Zwischenstopp nach São Paulo, einem riesigen 20–Millionen–Einwohner–Moloch fünf Stunden vor Rio. Während unseres zweitägigen Aufenthalts gelingt es uns nur in Ansätzen, liebenswerte Seiten an São Paulo zu entdecken, aber vielleicht liegt es auch daran, dass uns alle Museen, die wir ansteuern, verschlossen bleiben.
Insgesamt würden wir São Paulo auf jeden Fall mit auf die Liste der 5 schönsten Moloche unserer Reise nehmen! Mit dem miefigen Geruch des Tietês in der Nase verlassen wir die Stadt gen Paraty, dem absoluten Gegenteil dessen, was wir in São Paulo erlebt haben. Paraty verströmt in jeder seiner alten kopfsteingepflasterten Gassen den Charme des kolonialen Brasiliens. Vom Autoverkehr befreit, ist dieses Städtchen eine kleine Perle am Atlantik. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, befinden sich in unmittelbarer Umgebung der Stadt einige der schönsten Strände des Landes.
Wir lassen am Praia de Trindade die Seele baumeln, bevor wir Bus und Fähre besteigen, um für zwei Tage noch einmal das Inselleben zu genießen.

Noch etwas Strand und Sonnenschein

 
Die Ilha Grande ist nur 2 Autostunden von Rio entfernt und daher ein beliebtes Ausflugsziel für die gestressten Großstädter. Und es ist auch nur unschwer zu erkennen, weshalb die Insel so beliebt ist: tiefgrüner Regenwald, weiße Sandstrände und türkisfarbenes Meer sorgen für ein paradiesisches letztes Stranderlebnis. Nach zwei kurzen Tagen nehmen wir letztmalig einen Bus, der uns zurück in die Großstadt bringt, nach Rio.


Während São Paulo eine große Betonwüste ist, so ist Rio de Janeiro eine große Betonwüste in bester Lage und daher vermutlich auch Brasiliens Touristenhochburg. Und in der Tat ist die Stadt – von oben betrachtet, zum Beispiel vom Zuckerhut – eine echte Augenweide. Von Urwald überwucherte Hügel wechseln sich mit anonymer Hochhausbebauung, Favelas und weißen Strandbuchten ab – so ein Stadtbild ist vermutlich wirklich einmalig auf dieser Welt. Wenn man dann wieder absteigt und sich ins städtische Getümmel auf den Straßen, Plätzen und Stränden begibt, sieht man nicht nur viel braune Haut und geölte Muskelmänner, sondern auch erschreckend viel Armut, sodass weder Sonnenschein und Strandspaß die brasilianische Realität verstecken können.










Für uns heißt es nicht nur Abschied nehmen von Südamerika, sondern auch von Sommer, Sonne und Strand. Mit dem Flieger geht es gen Norden nach New York, unserem letzten Ziel in Amerika bevor es zurück nach Europa geht.
 


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