#02 - Myanmar:
Von Zwiebeln, Knoblauch und der großen Hitze

In Myanmar ist alles Gold, was glänzt; alles Bethelnussspucke, was rot auf den Straßen leuchtet und alles Curry, was die Garküchen auf der Straße verkaufen.
So kann es auch gehen: wenn man am Flughafen in Yangon ankommt, wird man gleich nach der Einreise gebeten, eine Notiz mit seiner Meinung zum Service sowie Verbesserungsvorschläge in eine kleine Box zu werfen – so etwas wünscht man sich manchmal auch für Flughäfen in Deutschland. Vorsichtshalber verschieben wir die Feedbackrunde mindestens bis zu unserer Ausreise und besteigen ein Taxi in die Stadt.

In Yangons Straßen

 
Yangon ist Ende April heiß und stickig – die Temperaturen steigen auf 37°C und die Sonne brennt erbarmungslos! Bricht man zu einer Abenteuerreise durch die Stadt auf, so hat man andauernd das Gefühl, als hätte jemand einen riesigen Fön auf die Stadt gerichtet. Abenteuerreise deshalb, weil es eine geradezu halsbrecherische Angelegenheit ist, sich als Fußgänger auf den Straßen der myanmarischen Hauptstadt durchzusetzen. Es gibt de facto keine Ampeln, von Fußgängerüberwegen ganz zu schweigen. Möchte man eine Straße überqueren, geht man einfach drauf los und hofft auf das Beste. In der Regel schlängelt sich der Verkehr an einem vorbei, ohne dass er auch nur merklich unterbrochen wird. Fußgängerwege im westlichen Sinne gibt es ebenso wenig. Vielmehr läuft der Yangonreisende stets auf einem schmalen Grat zwischen dem Tod auf der Straße und den Güllegräben direkt daneben – fantastisch!
Nichtsdestotrotz ist die Stadt eine atemberaubende Mischung aus dahinrottender Kolonialarchitektur und 70er Jahre Asia-Schick. Die Menschen sind freundlich und angenehm zurückhaltend, haben allerdings eine für uns eher ungewöhnliche Art, sich tagsüber zu berauschen. Man kaut mit großer Vorliebe Bethelnüsse (und es muss in diesem Land riesige Bethelnussplantagen geben!). Die leckere Droge wird mit etwas Kalk und verschiedenen Gewürzen in das Blatt des Bethelpfeffers gewickelt und daraufhin mehrere Stunden lang im Mund behalten. Umso mehr ist man zu Anfang geschockt und zu einem gewissen Grad auch angeekelt, wenn man das Ergebnis jahrelangen Bethelnusskauens sieht: die Straßen der Stadt – eigentlich jeder Stadt im Land – sind nicht nur überzogen von roten Flecken, dem Ergebnis des permanenten Ausspuckens der Bethelnusskauer, sondern die Zähne der Konsumenten sind als solche auch nur noch zu erahnen. Man fühlt sich in einen schlechten Horrorfilm versetzt, wenn ein Bethelnusskonsument lacht und dabei das ganze Grauen dieser Droge offenbart – braune Zähne und blutroter Speichel.

Doch warum Yangon?

Neben dem einmaligen Bestand an kolonialer Bebauung ist es vor allen Dingen die atemberaubende Schwedagon Paya, weswegen man einen Stopp in Yangon macht. Ein buddhistisches Heiligtum aus Gold und Edelsteinen, thronend über der Stadt, die sich gerade anschickt, das neue Bangkok Südostasiens zu werden.
Wenn man genug von der großen Stadt hat, steigt man in den Bus und ist in nur 6 Stunden am Meer. In diesen 6 Stunden hat man im Bus eine nie zu glaubende Bandbreite an burmesischen Coverversionen internationaler Hits gesehen, die von den Fahrgästen gern auch mal mitgesungen werden. Chaungtha, am Golf von Bengalen gelegen, ist – so lesen wir – das Ziel vieler Yangoner Wochenendreisender. Davon kriegen wir nicht viel mit und entspannen fast allein am Strand. Erst am letzten Tag unseres Aufenthaltes fällt das Partyvolk im Ort ein.

Zwischen den Tempeln von Bagan

 
Die Reiseführer warnen davor, Bagan im Mai zu besuchen – wegen der dann dort vorherrschenden Temperaturen. Und tatsächlich steigt das Quecksilber jeden Tag auf 40-42°C. Wenn man sein Reisetempo ein bisschen daran anpasst und die Mittagszeit am Pool verbringt, ist das aber auszuhalten. Der Vorteil ist – wie auch in allen anderen Teilen des Landes – nur wenige Touristen sind unterwegs und die Preise ebenso im Keller.
Das Pagodenfeld von Bagan ist mit seinen schieren Ausmaßen atemberaubend. Auf einer Fläche von 10x5km befinden sich über 2000 Pagoden – große und kleine, neue und sehr alte, zerfallene und frisch sanierte. Klettert man auf eine der größeren Pagoden und verschafft sich einen Blick über das gesamte Areal, so ist man im ersten, im zweiten und auch noch im dritten Moment überwältigt. Man könnte tagelang auf den Sandpisten zwischen den Pagoden hin und herfahren und würde trotzdem sehr lange brauchen bis man auch die letzte besichtigt hätte.

Mit dem Zug in den Norden

 
Wenn Hildesheim die Perle Niedersachens ist, dann ist Mandalay sicherlich die Perle Myanmars. Denn auch wenn der Klang der Stadt viele Assoziationen auslösen mag, so erschließt sich die Schönheit der Stadt nicht unbedingt auf den ersten Blick. Auch auf den zweiten und dritten Blick kann man nur bedingt von einer charmanten Stadt sprechen – wie auch Hildesheim wurde die Stadt im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und danach im 50/60-er Jahre Stil Asiens neu errichtet. Gut getan hat es der Stadt nicht – wie es auch Hildesheim nicht gut tat.
Dennoch ist Mandalay der Ausgangspunkt für unsere Weiterreise in den Norden des Landes. Mit dem Zug machen wir uns auf den Weg nach Pyin Oo Lwin. Von den Briten auf einer Höhe von knapp über 1000m gegründet, ist dieses Städtchen, gerade im Sommer, verglichen mit der Höllenhitze Mandalays, angenehm kühl. Doch zuerst fährt man mit dem Zug vier Stunden auf das Shan Plateau – Zugfahren in Myanmar ist unvergleichbar. Man wir hin- und hergeworfen, nach oben geschleudert und wieder zurück auf den Sitz gedrückt und kommt trotzdem wohlbehalten an. Wir besteigen nach nur zwei Tagen in Pyin Oo Lwin erneut den Zug in Richtung Lashio – diesmal geht es über das Gokteik Viadukt. Im Jahre 1900 gebaut, überspannt diese Brücke über eine Länge von 600m einen 100m tiefen Abgrund. Quietschend fährt die Bahn im Schritttempo über dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst. Die Zug windet sich durch die fabelhafte Landschaft des Shan-Plateaus - Reisefelder, Teeplantagen und Gemüsegarten soweit das Augen reicht. Bei Temperaturen um die 30°C gerade im myanmarischen Sommer ist ein Trip in den Norden eine angenehme Abkühlung.

Mit dem Boot über den See

 
Wenn man nach Nyaung Shwe kommt, dem Ort, in dem die meisten Touristen ihre Unterkunft beziehen, sieht man erst einmal nichts vom Inle See. Es führt nur ein schmaler Kanal von Nyaung Shwe zum Wasser. Erst nach einer 20 minütigen Fahrt mit dem Longtail Boot öffnet sich der Kanal zu einem riesigen, von kleinen Inseln und Wasserpflanzen durchzogenen See. Berühmt ist dieser nicht nur ob seiner landschaftlich reizvollen Lage inmitten der Hügellandschaft des Shan Staats, sondern vor allem wegen des vielfältigen Lebens auf und um das Wasser: Fischer, die mit nur einem Bein auf ihrem Ruder balancierend ihre Reusen auswerfen; Weber, die aus Lotusfäden Luxusstoffe herstellen; Märkte, die von den obligatorischen Zwiebeln und Knoblauchzehen bis zu den allseits beliebten chinesischen Plastikwaren alles feilbieten und täglich den Ort wechseln hin zu verwunschenen Klöstern und zerfallen Pagoden auf den Hügeln des Shan Plateaus. Und übrigens: Myanmar ist die unangefochtene Nummer 1 beim Pro-Kopf-Verbrauch von Zwiebeln. Die scharfe Knolle ist ein omnipräsenter Begleiter unserer Reise: auf den Märkten des Landes und den kulinarischen Köstlichkeiten der myanmarischen Küche. Ständig werden Unmengen riesiger Säcke mit Zwiebeln oder Knoblauch (manchmal auch mit undefinierbarem Inhalte) an uns vorbei in Tuktuks, Boote und Züge gehieft. Das ist beruhigend - für den Zwiebel- und Knoblauchnachschub ist hier in jedem Fall gesorgt.


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